Ni Zan

Der Maler der leeren Landschaften.
Ni Zan verschenkte seinen Besitz und lebte auf einem Hausboot. Seine spärlichen Bilder mit einigen Bäumen, einem leeren Pavillon und fernen Bergen wurden zum Ideal der Gelehrten.
Ni Zan wurde 1301 in Wuxi in eine sehr reiche Familie geboren. Er erhielt eine verfeinerte Erziehung, sammelte Bücher, Kunst und Antiquitäten und ließ auf dem Familiengut einen Bibliotheksturm errichten. Er war für seine extreme Reinlichkeit bekannt: Den Erzählungen zufolge ließ er die Bäume im Garten waschen und mied Menschen, die er für ungehobelt hielt. Vieles davon sind Anekdoten.
Um 1350, als die Yuan-Dynastie in Aufständen zerfiel und die Steuern drückend wurden, verschenkte oder verkaufte er den größten Teil seines Besitzes. Rund zwanzig Jahre lang führte er dann ein unstetes Leben auf einem Hausboot zwischen den Seen und Flüssen rund um den Taihu-See, wo er bei Freunden und in Tempeln wohnte.
Seine Gemälde sind oft gleich aufgebaut: im Vordergrund ein Ufer mit einigen spärlichen Bäumen und einem leeren Pavillon, in der Mitte ein breiter Streifen leeren Wassers und ganz hinten niedrige Berge. Menschen sind nicht zu sehen. Der Pinsel ist trocken und leicht, die Tusche hell. Die Bilder strahlen Stille, Distanz und Einsamkeit aus. Ein Beispiel ist das „Rongxi-Studio“ von 1372 im Nationalen Palastmuseum in Taipeh. Er schrieb oft Gedichte direkt auf die Bilder.
Ni Zan zählt zu den vier Meistern der Yuan-Dynastie. Für spätere Gelehrte wurde er zum Ideal des reinen, unabhängigen Künstlers. In der Ming-Zeit hieß es, Familien in der Region würden danach als fein oder grob beurteilt, ob sie einen Ni Zan besaßen oder nicht. Sein Stil ist von unzähligen Malern kopiert worden.