Egon Schiele

Egon Schiele
unattributed, Public domain

Expressionist des nackten Körpers.

Egon Schiele zeichnete und malte verrenkte, ausgezehrte Körper und Selbstporträts. Er starb mit 28 Jahren an der Spanischen Grippe.

Egon Schiele wurde 1890 in Tulln bei Wien geboren. Sein Vater war Bahnhofsvorstand und starb, als der Sohn vierzehn war. Schiele wurde schon 1906 an der Kunstakademie in Wien aufgenommen, fand den Unterricht aber starr und verließ sie nach drei Jahren. 1907 suchte er Gustav Klimt auf, der sein Mentor wurde und ihm mit Kontakten und Modellen half.

Bald ließ er Klimts ornamentalen Stil hinter sich. Seine Linie wurde scharf, kantig und nervös. Er zeichnete und malte magere, verrenkte Körper und Gesichter, oft nackt, in unbequemen Posen vor leerem Hintergrund. Die Selbstporträts sind zahlreich und zeigen ihn angespannt, grimassierend und schutzlos. Er wollte die innere Unruhe und die Sexualität des Menschen ohne Beschönigung darstellen und gilt als einer der großen Zeichner des Expressionismus.

1911 lebte er mit dem Modell Wally Neuzil zusammen, zuerst in Krumau und dann in Neulengbach. 1912 wurde er dort verhaftet und saß 24 Tage im Gefängnis, angeklagt, Kindern unmoralische Zeichnungen gezeigt zu haben. 1915 heiratete er Edith Harms, und im selben Jahr wurde er zum Militär eingezogen, musste aber nicht an die Front. Das „Bildnis Wally“ und das „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“, beide von 1912, befinden sich im Leopold Museum in Wien, das die größte Schiele-Sammlung der Welt besitzt.

1918 gelang ihm auf der Ausstellung der Secession in Wien der große Durchbruch, und nach Klimts Tod im selben Jahr galt er als Österreichs führender Künstler. Doch im Herbst erkrankte die Familie an der Spanischen Grippe. Edith, die schwanger war, starb am 28. Oktober und Schiele selbst drei Tage später, nur 28 Jahre alt. Sein letztes großes Gemälde, „Die Familie“, mit einem Kind, das nie geboren wurde, befindet sich im Belvedere in Wien.

Schieles Werke galten lange als schockierend, und sie rufen noch immer Diskussionen über Blick und Macht hervor. Heute ist er einer der bekanntesten Namen der österreichischen Kunst. Seine Art, die Linie zum Ausdruck von Gefühlen einzusetzen, hat viele spätere Künstler beeinflusst.