Richard Serra

Richard Serra
Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Bildhauer des Stahls.

Richard Serra schuf gewaltige gebogene Stahlplatten, die man betritt und mit dem Körper spürt.

Richard Serra wurde 1938 in San Francisco geboren. Sein Vater arbeitete auf einer Schiffswerft, und Serra hat erzählt, dass er als Kind den Stapellauf eines Schiffes sah und dass das Gefühl der gewaltigen Schwere, die plötzlich schwamm, zur Grundlage seiner Kunst wurde. Sein Studium finanzierte er durch Arbeit in Stahlwerken. Er studierte englische Literatur an der University of California und danach Kunst in Yale, wo er unter anderem Josef Albers bei dem Buch „Interaction of Color“ half.

Nach Studienreisen nach Paris und Italien ließ sich Serra 1966 in New York nieder. Dort erstellte er eine Liste von Verben wie rollen, falten, schneiden und spritzen und nutzte sie als Arbeitsprogramm. Er schleuderte geschmolzenes Blei gegen die Ecke zwischen Boden und Wand und lehnte schwere Bleiplatten ohne Befestigung aneinander, wie in „One Ton Prop (House of Cards)“ von 1969. Die Werke standen nur dank des Gleichgewichts, und der Betrachter spürte die Gefahr.

Ab den 1970er-Jahren arbeitete er vor allem mit gewalztem Stahl im Riesenformat. Das umstrittenste Werk war „Tilted Arc“ von 1981, eine 37 Meter lange, schräg stehende Stahlwand auf der Federal Plaza in New York. Viele, die dort arbeiteten, fanden sie im Weg, und nach öffentlichen Anhörungen wurde sie 1989 abgebaut. Serra protestierte und meinte, ein ortsspezifisches Werk werde zerstört, wenn man es versetze.

In den 1990er-Jahren entstanden die verdrehten Ellipsen, die „Torqued Ellipses“, und später Spiralen, die man betritt. Die Räume weiten und verengen sich, die Wände neigen sich, und der Körper wird unsicher, wo er sich befindet. Im Guggenheim-Museum in Bilbao befindet sich die Installation „The Matter of Time“ von 2005 mit acht großen Werken. In der Wüste Katars wurde 2014 „East-West/West-East“ errichtet, vier Stahlplatten über mehr als einen Kilometer. Serra schuf auch große schwarze Zeichnungen mit Ölkreide.

Serra war mit der Kunsthistorikerin Clara Weyergraf-Serra verheiratet. Er starb 2024 in seinem Haus auf Long Island. Er gilt als einer der größten Bildhauer seiner Zeit. Seine Auffassung, dass Skulptur etwas ist, das man mit dem Körper erlebt, in Zeit und Bewegung, und nicht nur ein Gegenstand, den man betrachtet, hat sowohl Skulptur als auch Architektur geprägt.