Elizabeth Siddal

Modell, Dichterin und Künstlerin eigenen Rechts.
Elizabeth Siddal ist vor allem als Modell für Millais’ „Ophelia“ und als Rossettis Frau bekannt, war aber auch Künstlerin und Dichterin, und Ruskin gewährte ihr einen jährlichen Unterhalt, damit sie arbeiten konnte. Sie starb schon mit 32 Jahren.
Elizabeth Siddal wurde 1829 in London in eine Familie von Handwerkern und Händlern geboren. Als Kind erhielt sie keine künstlerische Ausbildung, las aber Lyrik und schrieb eigene Gedichte. Als junge Frau arbeitete sie in einem Hutgeschäft, wo sie um 1849 vom Maler Walter Deverell entdeckt wurde, der sie bat, Modell zu sitzen.
Bald wurde sie eines der wichtigsten Modelle der präraffaelitischen Künstler. Am berühmtesten ist sie als die ertrinkende Ophelia in John Everett Millais’ Gemälde von 1851–52, das sich heute in der Tate Britain befindet. Der bekannten Geschichte zufolge lag sie in einer Badewanne mit Wasser, das durch Lampen warm gehalten werden sollte, und wurde krank, als diese erloschen.
In den 1850er-Jahren begann sie eine Beziehung mit Dante Gabriel Rossetti, der sie Hunderte Male zeichnete und malte und ihr das Malen beibrachte. Sie schuf selbst kleine Aquarelle und Zeichnungen mit Motiven aus mittelalterlichen Balladen, Tennyson und Dante, mit kantigen Figuren und kräftigen Farben. John Ruskin bewunderte ihre Arbeiten und gewährte ihr ab 1855 im Austausch dafür einen jährlichen Unterhalt. 1857 war sie die einzige Frau, die bei der gemeinsamen Ausstellung der Präraffaeliten in London ausstellte. Eines ihrer Aquarelle befindet sich im Fitzwilliam Museum in Cambridge.
Ihre Gesundheit war stets schwach, und sie nahm Laudanum, ein Opiumpräparat. Sie und Rossetti heirateten 1860. Im Jahr darauf brachte sie eine tote Tochter zur Welt, und 1862 starb sie im Alter von 32 Jahren an einer Überdosis Laudanum. Es ist umstritten, ob es ein Unfall oder ein Suizid war. Rossetti legte ein Manuskript mit seinen Gedichten in ihren Sarg, ließ es aber einige Jahre später wieder ausgraben.
Lange sah man in Siddal nur eine tragische Muse. Seit den 1970er-Jahren haben Forschende und Ausstellungen, unter anderem in der Tate Britain, sie als Künstlerin und Dichterin eigenen Rechts herausgestellt.