Yokoyama Taikan

Der Erneuerer des Nihonga.
Yokoyama Taikan entwickelte eine moderne japanische Malerei ohne Konturlinien, das Mōrōtai, und malte den Berg Fuji hundertfach.
Yokoyama Taikan wurde 1868 in Mito nördlich von Tokio geboren, in dem Jahr, in dem die Meiji-Zeit begann. Er gehörte zum ersten Jahrgang der 1889 eröffneten Kunstschule Tokio. Dort war er Schüler von Okakura Kakuzō, auch Tenshin genannt, der eine moderne japanische Malerei schaffen wollte, und des Malers Hashimoto Gahō.
Als Okakura 1898 die Schule verlassen musste, folgte Taikan ihm und gehörte zu den Gründern des Nihon Bijutsuin, des Japanischen Kunstinstituts. Im selben Jahr malte er „Kutsugen“, ein Bild des chinesischen Dichters Qu Yuan. Gemeinsam mit seinem Freund Hishida Shunsō entwickelte er eine Technik ohne deutliche Konturlinien, bei der die Farbe fließen durfte und Luft und Licht erzeugte. Die Kritiker nannten den Stil abschätzig Mōrōtai, den dunstigen Stil, doch er wurde zu einem Kennzeichen des neuen Nihonga, der modernen japanischen Malerei.
Taikan reiste 1903 nach Indien und 1904–05 in die USA und nach Europa, wo er und Shunsō ausstellten. Er nahm Eindrücke westlichen Lichts und Raums auf, hielt aber an japanischen Materialien fest: Mineralfarben, Tusche, Seide, Papier und Gold. Eines seiner Hauptwerke ist die lange Rollenmalerei „Der Kreislauf des Lebens“ von 1923, die einem Wassertropfen von den Bergen bis zum Meer folgt. Sie befindet sich im Nationalmuseum für Moderne Kunst in Tokio und ist als bedeutendes Kulturgut eingestuft.
Der Berg Fuji wurde sein großes Motiv, und er soll ihn hundertfach gemalt haben. In den 1930er- und 40er-Jahren war er einer der meistgefeierten Künstler Japans und erhielt den Kulturorden, als dieser 1937 gestiftet wurde. Er stellte seine Kunst auch in den Dienst des Kriegsnationalismus und verkaufte Fuji-Gemälde, um Kriegsflugzeuge zu finanzieren. Das hat ihn nach dem Krieg umstritten gemacht.
Taikan starb 1958 in Tokio. Sein Haus in Ueno ist heute ein Gedenkmuseum, und das Adachi-Museum in Shimane besitzt eine große Sammlung seiner Werke. Er gilt als eine der wichtigsten Gestalten des Nihonga und als derjenige, der gezeigt hat, dass die japanische Malerei erneuert werden konnte, ohne westlich zu werden.