Xu Bing

Der Künstler der Schrift und der Sprache.
Xu Bing schuf „Book from the Sky“ mit Tausenden erfundener chinesischer Zeichen, die niemand lesen kann. Er stellt die Macht der Sprache infrage.
Xu Bing wurde 1955 in Chongqing geboren und wuchs in Peking auf, wo seine Eltern an der Peking-Universität arbeiteten. Während der Kulturrevolution wurde er als Jugendlicher aufs Land geschickt. Nach 1977 studierte er Grafik an der Zentralen Kunstakademie in Peking, wo er später auch lehrte.
Sein Durchbruch war „Book from the Sky“, auf Chinesisch „Tianshu“, an dem er 1987–1991 arbeitete. Er erfand etwa 4 000 Schriftzeichen, die wie chinesische aussehen, aber nichts bedeuten. Er schnitt sie von Hand in Holz und druckte Bücher und lange Rollen im traditionellen Stil. Wenn das Werk gezeigt wird, füllen die Bücher und Rollen ganze Räume. Leser, die Chinesisch können, geraten in Verwirrung und suchen nach einem Sinn, der nicht vorhanden ist. Das Werk löste in China eine große Debatte aus und wurde als Kritik an der Macht der Sprache und des Staates gedeutet.
1990 zog Xu Bing in die USA. Dort schuf er unter anderem „Square Word Calligraphy“, bei der englische Wörter mit Buchstaben geschrieben werden, die so geformt sind, dass sie chinesischen Zeichen ähneln. Er schuf auch „Book from the Ground“, eine Erzählung, die nur Symbole und Icons verwendet, die jeder lesen kann. 1999 erhielt er ein MacArthur-Stipendium.
2008 kehrte er nach Peking zurück und war einige Jahre lang Vizerektor der Zentralen Kunstakademie. Seine große Skulptur „Phoenix“ besteht aus zwei Vögeln, die aus Schrott und Werkzeugen von Baustellen gebaut sind, und handelt von den Wanderarbeitern, die das neue China errichtet haben. Der Film „Dragonfly Eyes“ von 2017 ist vollständig aus Material von Überwachungskameras geschnitten.
Xu Bing ist einer der bedeutendsten chinesischen Künstler seiner Generation. Seine Werke erkunden Schrift, Sprache, Kommunikation und Macht und haben die Tradition der chinesischen Schrift zu einem Teil der internationalen Gegenwartskunst gemacht.