Selbstbildnis im Pelzrock

Dürer malt sich selbst frontal, wie man Christus abzubilden pflegte. Das ist ein kühner Anspruch: Der Künstler ist kein Handwerker, sondern ein schöpferisches Genie.
Achte auf die Hände und den glänzenden Pelz – und auf die Jahreszahl 1500 und das Monogramm AD.
Albrecht Dürer war der erste Künstler Europas, der eine lange Reihe von Selbstbildnissen schuf. Schon als Dreizehnjähriger zeichnete er sich selbst. In den Jahren 1493 und 1498 malte er Selbstbildnisse, in denen er sich als eleganten, gut gekleideten jungen Mann zeigt. Im Jahr 1500, mit achtundzwanzig Jahren, malte er dieses Bildnis, das als das radikalste von ihnen gilt. Er war der Sohn eines Nürnberger Goldschmieds und lernte früh Genauigkeit im Detail.
Dürer zeigt sich frontal vor dunklem Hintergrund. Das lange, lockige Haar fällt über die Schultern. Er trägt einen braunen Rock mit Pelzkragen, und seine rechte Hand berührt den Pelz. Das Gesicht ist ernst, und der Blick begegnet dem Betrachter. Das Bild ist streng symmetrisch, fast wie eine geometrische Konstruktion. Der Rock ist kostbar und zeigt, dass er ein angesehener Bürger ist und kein einfacher Handwerker.
Links stehen die Jahreszahl 1500 und Dürers Monogramm, ein großes A mit einem D darunter. Rechts befindet sich eine lateinische Inschrift. Sie besagt ungefähr, dass Albrecht Dürer aus Nürnberg sich im Alter von achtundzwanzig Jahren mit eigenen Farben dargestellt hat.
Die frontale Haltung war zu dieser Zeit Christusbildern vorbehalten. Porträts gewöhnlicher Menschen wurden fast immer im Profil oder im Dreiviertelprofil gezeigt. Deshalb wurde das Bild oft als Vergleich zwischen dem Künstler und Gott als Schöpfer gedeutet. Eine gängige Erklärung lautet, Dürer habe zeigen wollen, dass die Schöpferkraft des Künstlers eine Gabe Gottes ist. Andere sehen in dem Bild den Ausdruck eines frommen Wunsches, Christus nachzueifern. Dürer war tief religiös, und beide Deutungen können zugleich gelten.
Das Gemälde ist mit Ölfarbe auf Holz gemalt. Dürer malte Haar und Pelz mit äußerst feinen Pinselstrichen, Haar für Haar. Die Farbskala ist auf Braun- und Goldtöne gedämpft. Das Licht fällt sanft von links ein und modelliert das Gesicht. Das Bild misst etwa 67 mal 49 Zentimeter und ist auf Lindenholz gemalt.
Die Jahreszahl 1500 hatte eine besondere Aufladung. Viele erwarteten zur Jahrhundertwende große Umwälzungen oder sogar das Ende der Welt. Dürer hatte einige Jahre zuvor seine berühmte Holzschnittfolge zur Offenbarung des Johannes herausgegeben. Wie stark dies das Bildnis beeinflusste, ist allerdings unsicher. Die runde Zahl macht das Bild jedenfalls zu einer Art Meilenstein in seinem Leben.
Das Bildnis kam in das Nürnberger Rathaus und wurde 1805 an Bayern verkauft. Heute hängt es in der Alten Pinakothek in München. Dürer reiste nach Italien und brachte die Ideen der Renaissance in den deutschen Raum. Sein Selbstbild als gelehrter, selbstbewusster Künstler hat das Gemälde zu einem Symbol für die neue Rolle des Künstlers in der Gesellschaft gemacht. Das Bild wurde von vielen späteren Künstlern zitiert, die ihre eigene Rolle und Identität im Selbstbildnis erproben wollten.