Flammengefäß (Kaen-Doki)

Flammengefäß (Kaen-Doki)
Netherzone, CC BY-SA 4.0

Ein Kochgefäß aus der mittleren Jōmon-Zeit, dessen Rand wie Flammen oder Wellen aussieht. Die Gefäße wurden von Hand aus Tonwülsten aufgebaut und mit Schnüren und Stäbchen verziert.

Sieh dir den Rand an: vier große Zacken, die sich nach oben winden – eines der wildesten Gefäße der Keramikgeschichte.

Die Jōmon-Zeit war eine lange vorgeschichtliche Epoche in Japan, die von etwa 14 000 v. Chr. bis etwa 300 v. Chr. dauerte. Die Menschen lebten von Jagd, Fischfang und Sammeln, wohnten aber oft in festen Dörfern. Sie stellten Keramik her, die zu den ältesten der Welt gehört. Der Name Jōmon bedeutet in etwa „Schnurmuster“ und bezieht sich auf Muster, die entstanden, indem man Schnüre in den weichen Ton rollte. Der modernen Wissenschaft wurde die Kultur bekannt, als der amerikanische Zoologe Edward Morse 1877 bei Ōmori in Tokio einen Muschelhaufen ausgrub und die Keramik als schnurverziert beschrieb.

Flammengefäße, auf Japanisch Kaen-Doki, wurden in der mittleren Jōmon-Zeit hergestellt, etwa 3000–2000 v. Chr. Gefunden wurden sie vor allem in der heutigen Präfektur Niigata, entlang des Flusses Shinano. Den Namen erhielt der Typ nach Funden an einem Ort in der Stadt Nagaoka. Das hier gezeigte Exemplar befindet sich im Nationalmuseum Tokio.

Das Gefäß hat einen zylindrischen Körper, der sich zum Rand hin weitet. Die Mündung trägt vier große Fortsätze, die sich wie Flammen oder Wellen erheben. Die Oberfläche ist bedeckt mit erhabenen Schlingen, Spiralen und geschwungenen Linien. Das Muster überzieht fast das ganze Gefäß und lässt die Form in Bewegung erscheinen.

Die Gefäße wurden von Hand ohne Töpferscheibe aufgebaut. Der Ton wurde zu langen Wülsten gerollt, die ringförmig übereinandergelegt und glatt gestrichen wurden. Die Verzierung entstand mit Stäbchen, Schnüren und Fingern, anschließend wurden die Gefäße in offenem Feuer gebrannt. Sie sind oft dunkelbraun oder rotbraun, und die Brenntemperatur war im Vergleich zu späterer Keramik recht niedrig. Viele Gefäße wurden in Scherben gefunden und mussten von Archäologen zusammengesetzt werden.

Spuren von Ruß und Speiseresten zeigen, dass viele Flammengefäße zum Kochen verwendet wurden. Zugleich sind sie so stark verziert, dass Forscher vermutet haben, sie könnten auch eine rituelle Bedeutung gehabt haben. Was die Muster bedeuteten, weiß niemand. Deutungen, sie stellten Feuer oder Wasser dar, sind Vermutungen.

Im 20. Jahrhundert erregte die Jōmon-Keramik großes Interesse. Der Künstler Okamoto Tarō schrieb in den 1950er-Jahren über ihre Kraft und nannte sie eine Urkraft der japanischen Kunst, etwas, das sich von der verfeinerten Ästhetik unterschied, die in Japan oft betont worden war. Seine Texte trugen dazu bei, dass die Gefäße nicht mehr nur als archäologische Objekte, sondern als Kunst betrachtet wurden.

Mehrere Flammengefäße sind heute in Japan als Nationalschätze eingestuft. Sie werden oft in Ausstellungen zur japanischen Vorgeschichte gezeigt und sind zu einem Symbol der Jōmon-Kultur geworden. Die Gefäße erinnern daran, wie kunstvoll und ausdrucksstark Keramik sein konnte, lange bevor in Japan Landwirtschaft und Staat entstanden.