Teekanne MT 49

Eine Teekanne aus geometrischen Grundformen: Halbkugel, Kreis und Kreuz. Sie wurde von Hand gefertigt, sah aber aus wie ein Industrieprodukt.

Deckel, Griff und Tülle sind jeweils eine eigene geometrische Form.

Marianne Brandt wurde 1893 in Chemnitz in Deutschland geboren und studierte zunächst Malerei und Bildhauerei. 1923 kam sie ans Bauhaus, die Kunstschule in Weimar, die Kunst, Handwerk und Industrie verband. Sie war eine der ersten Frauen in der Metallwerkstatt der Schule, die von László Moholy-Nagy geleitet wurde. Dort schuf sie 1924 die Teekanne MT 49, als sie noch Studentin war. Zuvor hatte sie mit ihrem Mann, dem norwegischen Maler Erik Brandt, eine Zeit lang in Norwegen gelebt.

Die Teekanne ist klein, weniger als zehn Zentimeter hoch, und war für starkes Teekonzentrat gedacht, das mit Wasser verdünnt wurde. Der Körper ist eine Halbkugel, die auf einem kreuzförmigen Fuß steht. Der Deckel ist eine flache Scheibe mit einem kleinen runden Knauf. Der Griff ist ein Halbkreis aus Ebenholz. Die Tülle ist kurz und gerade und sitzt schräg nach oben.

Die Form ist aus einfachen geometrischen Grundformen aufgebaut: Halbkugel, Kreis, Kreuz und Zylinder. Jedes Teil hat seine eigene Form, und doch passen sie zusammen. Es war das Ideal des Bauhauses, Funktion und einfache Geometrie zu vereinen. Die Teekanne sieht aus wie ein Industrieprodukt, obwohl sie von Hand gefertigt wurde.

Die Kanne ist aus Messing gefertigt, innen versilbert, und Griff und Deckelknauf sind aus Ebenholz. Das Messing wurde in der Werkstatt von Hand gehämmert und geformt. Nur wenige Exemplare wurden hergestellt. Sie war als Prototyp für die industrielle Produktion gedacht, wurde aber zu Brandts Zeit nie in großem Maßstab gefertigt. Dass Frauen in der Metallwerkstatt arbeiten durften, war ungewöhnlich, denn Studentinnen wurden oft in die Webereiwerkstatt verwiesen. Die Metallwerkstatt wurde mit der Zeit zu einem der Orte am Bauhaus, an denen Vorlagen für die Industrie entwickelt werden sollten.

Die Teekanne wurde als frühes Beispiel moderner Gestaltung gedeutet, in der die Form der Funktion folgt. Der Kreuzfuß sorgt dafür, dass die Kanne stabil steht. Zugleich ist sie eine ästhetische Schöpfung, fast wie eine Skulptur.

Brandt wurde später kommissarische Leiterin der Metallwerkstatt. Sie arbeitete mit der Industrie zusammen und entwarf unter anderem Lampen, etwa die Kandem-Leuchte, die in großer Stückzahl gefertigt wurde. Nach der Schließung des Bauhauses arbeitete sie an verschiedenen Orten, und nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in der DDR. Sie starb 1983.

Exemplare der Teekanne befinden sich heute in mehreren Museen, darunter dem British Museum in London und dem Museum of Modern Art in New York. Später wurde eine Nachbildung von einem italienischen Designunternehmen gefertigt. Die Teekanne gilt als eines der bekanntesten Objekte des Bauhauses und als Ikone des modernen Designs.