Hans Scharoun

Hans Scharoun entwarf die Berliner Philharmonie mit dem Orchester in der Mitte und dem Publikum auf Terrassen ringsum. Seine organische Moderne ging von den Menschen und ihren Bewegungen aus statt vom rechten Winkel.
Hans Scharoun wurde 1893 in Bremen geboren und wuchs in Bremerhaven auf. Er studierte Architektur in Berlin und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg gehörte er expressionistischen Kreisen um Bruno Taut an und skizzierte fantastische Bauten. Er lehrte an der Kunstakademie in Breslau und beteiligte sich 1927 mit einem Haus an der Weißenhofsiedlung in Stuttgart. Er baute Wohnhäuser in Berlin, unter anderem in Siemensstadt, und Villen wie das Haus Schminke in Löbau.
Während der NS-Zeit baute Scharoun Villen und Wohnhäuser, aber keine öffentlichen Gebäude. Nach dem Krieg wurde er Stadtbaudirektor in Berlin und fertigte Pläne für die zerstörte Stadt an. Seine großen Werke entstanden spät. Die 1963 eröffnete Berliner Philharmonie hat das Orchester in der Mitte und das Publikum auf Terrassen, die es umgeben; das Dach hat die Form eines Zeltes. Er entwarf auch die gegenüberliegende Staatsbibliothek, die nach seinem Tod vollendet wurde, sowie Schulen und Wohnhäuser, darunter die Hochhäuser Romeo und Julia in Stuttgart.
Scharoun starb 1972 in Berlin. Seine organische Architektur, die er „organhaft“ nannte, war eine Alternative zur rechtwinkligen Moderne. Der Grundriss der Philharmonie mit dem Orchester in der Mitte hat Konzerthäuser auf der ganzen Welt beeinflusst, darunter die Walt Disney Concert Hall und die Elbphilharmonie. Er gilt als einer der originellsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts.