Basilikazisterne

Unter den Straßen Istanbuls liegt ein gewaltiger unterirdischer Saal mit 336 Säulen, die im Wasser stehen. Die Zisterne sammelte Wasser für den kaiserlichen Palast. Im gedämpften Licht wirkt der Raum wie eine versunkene Kirche.
Konstantinopel lag auf einer Halbinsel ohne eigene Quellen, und das Wasser musste über Aquädukte herangeführt und in Zisternen gespeichert werden. Die größte überdachte Zisterne wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian angelegt, der Überlieferung nach im Jahr 532, unter einer großen Basilika am Hauptplatz der Stadt. Daher der Name. Die Zisterne versorgte den kaiserlichen Palast und die Gebäude in seiner Umgebung mit Wasser. Sie ist etwa 140 Meter lang und 70 Meter breit und konnte rund 80 000 Kubikmeter Wasser fassen.
Die Decke besteht aus Ziegelgewölben, die von 336 Säulen in zwölf Reihen getragen werden. Viele Säulen und Kapitelle stammen von älteren Bauten und sind daher verschieden: Die meisten sind ionisch oder korinthisch, einige dorisch. Die Wände sind aus Ziegeln gemauert und mit einer dicken Schicht wasserdichten Mörtels versehen. Ganz hinten in der nordwestlichen Ecke stehen zwei Säulen auf je einem großen steinernen Medusenhaupt, das eine auf die Seite gelegt, das andere auf den Kopf gestellt. Sie stammen wahrscheinlich von einem römischen Bauwerk, doch warum sie so aufgestellt wurden, weiß niemand.
In osmanischer Zeit geriet die Zisterne fast in Vergessenheit, auch wenn die Bewohner weiterhin durch Löcher in den Kellerböden Wasser schöpften. Der niederländische Reisende Petrus Gyllius beschrieb 1545, wie er mit einer Fackel zwischen den Säulen umhergerudert war. Die Zisterne wurde mehrfach restauriert und 1987 mit Stegen über dem Wasser als Museum eröffnet. Nach einer weiteren Restaurierung wurde sie 2022 wieder geöffnet. Der Raum zeigt, wie byzantinische Baumeister antikes Material wiederverwendeten und wie auch ein reiner Zweckbau monumentale Gestalt annehmen konnte.