Dogenpalast

Der Regierungspalast der Republik Venedig scheint auf dem Kopf zu stehen: Die schweren oberen Geschosse ruhen auf zwei luftigen Arkaden. Der rosa und weiße Stein im Rautenmuster macht die Fassade leicht. Der Palast ist venezianische Gotik in ihrer berühmtesten Form.
Schon im 9. Jahrhundert gab es an dieser Stelle einen Palast für den Dogen, das gewählte Staatsoberhaupt Venedigs. Der heutige Bau nahm 1340 Gestalt an, als der Große Rat der Republik einen größeren Saal brauchte. Zuerst entstand die Südfassade zur Lagune, danach folgte der Flügel zur Piazzetta, der in den 1420er-Jahren im selben Stil fortgeführt wurde. Die Porta della Carta, das reich skulptierte Tor zum Markusdom, schufen Giovanni und Bartolomeo Bon, und sie war 1442 fertig. Nach einem Brand im Jahr 1483 wurde der Ostflügel im Renaissancestil neu gebaut.
Die Fassaden kehren das übliche Verhältnis von schwer und leicht um. Ganz unten steht eine Arkade mit kurzen Säulen. Darüber verläuft eine Loggia mit doppelt so vielen Spitzbögen, bekrönt von vierpassförmigen Öffnungen. Auf diesen offenen Geschossen ruht eine hohe, fast geschlossene Wand, verkleidet mit rosa und weißem Stein in einem Rautenmuster und nur wenigen großen Fenstern. Die ganze Fassade schließt mit einer Bekrönung aus spitzen Ornamenten ab. Im Inneren liegen die großen Säle, darunter der Saal des Großen Rates, einer der größten Säle Europas, mit Tintorettos gewaltigem Gemälde „Das Paradies“.
Nach den Bränden von 1574 und 1577 wurde erwogen, den Palast durch einen Neubau zu ersetzen, doch er wurde stattdessen in seiner gotischen Form repariert. Als die Republik 1797 unterging, verlor das Gebäude seine Funktion, und seit 1923 ist es ein Museum. Der englische Kunstkritiker John Ruskin bezeichnete den Dogenpalast in den 1850er-Jahren als das zentrale Gebäude der Welt, und sein Lob trug dazu bei, dass die venezianische Gotik zum Vorbild für die Architektur des 19. Jahrhunderts in Großbritannien und anderswo wurde. Der Palast zeigt, wie die Gotik an eine Stadt des Handels, des Wassers und des Lichts angepasst wurde.