Nationalkongress

Nationalkongress, Brasília
Marcelo Jorge Vieira from Brazil, CC BY-SA 2.0

In der neuen Hauptstadt Brasília entwarf Niemeyer das Parlament als Skulptur: zwei hohe Scheiben, verbunden durch einen Gang, und auf dem Dach eine Schale und eine Kuppel. Die Schale gehört zur Abgeordnetenkammer, die Kuppel zum Senat. Die ganze Stadt wurde in nur wenigen Jahren gebaut.

Präsident Juscelino Kubitschek beschloss, die Hauptstadt Brasiliens von Rio de Janeiro an einen neuen Standort im Landesinneren zu verlegen. Der Stadtplaner Lúcio Costa entwarf den Plan, Oscar Niemeyer die wichtigsten Gebäude. Der Bau ging in hohem Tempo voran, und die Stadt wurde am 21. April 1960 eingeweiht. Der Nationalkongress wurde 1958–1960 errichtet und steht am Ende der großen Achse, wo die drei Staatsgewalten zusammentreffen.

Das Gebäude besteht aus einer langen, niedrigen Plattform mit zwei hohen, 28-geschossigen Scheiben, die Büros beherbergen. Die Scheiben sind durch einen Gang verbunden und bilden zusammen ein H, das als Symbol für Humanität gedeutet wurde. Auf dem Dach der Plattform liegen eine nach oben geöffnete Schale über der Abgeordnetenkammer und eine Kuppel über dem Senat. Die Formen symbolisieren Offenheit und Besonnenheit. Das Material ist weißer Beton, und die Form ist skulptural einfach.

Brasília wurde 1987 Welterbe. Die Stadt wurde dafür kritisiert, für Autos gebaut zu sein und kein Leben auf den Straßen zu haben, doch ihre Gebäude zählen zu den ausdrucksstärksten der Moderne. Niemeyer erhielt 1988 den Pritzker-Preis. Der Nationalkongress ist zu einem Symbol Brasiliens geworden und zeigt, wie die Moderne monumental und skulptural sein konnte.