Pont du Gard

Das Aquädukt leitete Wasser über 50 Kilometer zur Stadt Nemausus, dem heutigen Nîmes, bei einem Gefälle von nur wenigen Zentimetern pro hundert Meter. Die Brücke ist 49 Meter hoch und besteht aus drei Geschossen von Bögen, die ohne Mörtel gemauert wurden. Vorstehende Steine zeigen, wo die Baugerüste auflagen.
Nemausus war eine blühende römische Stadt in der Provinz Gallia Narbonensis, und als sie wuchs, brauchte sie mehr Wasser. Das Aquädukt wurde wahrscheinlich um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gebaut; früher wurde es Agrippa zugeschrieben, doch Ausgrabungen deuten auf eine etwas spätere Datierung. Das Wasser kam aus Quellen bei Uzès und wurde in einer Rinne geleitet, die sich durch die Landschaft schlängelte. Das schwierigste Hindernis war das Tal des Flusses Gardon, und dort wurde die Brücke gebaut. Der Stein wurde in einem Kalksteinbruch ganz in der Nähe gewonnen. Die Blöcke sind groß und wurden mit hölzernen Kränen gehoben, die von Treträdern angetrieben wurden. Viele Steine tragen eingehauene Zeichen und Zahlen, die zeigten, wo sie sitzen sollten. Der Bau erforderte eine sorgfältige Vermessungstechnik, um das gleichmäßige Gefälle zu halten.
Die Brücke hat drei Geschosse aus Rundbögen. Das unterste hat sechs große Bögen, von denen der über den Fluss gespannte der breiteste ist. Das mittlere hat elf Bögen und das oberste eine lange Reihe kleinerer Bögen, die die eigentliche Wasserrinne tragen. Die Bögen der beiden unteren Geschosse sind aus mehreren parallelen, nebeneinanderliegenden Steinringen gebaut, nicht als ein einziges breites Gewölbe. Die Rinne war mit Steinplatten abgedeckt und innen mit Mörtel abgedichtet. Mit der Zeit setzten sich an der Innenseite der Rinne Kalkablagerungen ab, sodass der Durchfluss abnahm. Die vorstehenden Steine und die kleinen Löcher in der Fassade zeigen, wo beim Bau Gerüste und hölzerne Bogenlehren auflagen; die Steine blieben für künftige Reparaturen stehen.
Die Instandhaltung endete in der Spätantike, und das Aquädukt war etwa im 6. Jahrhundert nicht mehr in Betrieb. Die Brücke überstand die Zeit, weil sie eine neue Rolle als Weg über den Fluss erhielt. Im Mittelalter hieb man die Pfeiler des mittleren Geschosses aus, um Platz für Fuhrwerke zu schaffen, was die Konstruktion schwächte. In den 1740er-Jahren wurde dicht am untersten Geschoss eine Straßenbrücke gebaut. Unter Napoleon III. wurde in den 1850er-Jahren eine größere Restaurierung durchgeführt. Die Brücke hat mehrere schwere Hochwasser überstanden, unter anderem 2002. Der Pont du Gard wurde früh zum Ziel von Reisenden und Künstlern und hat zum Bild der Römer als unübertroffene Ingenieure beigetragen. Er wurde 1985 Welterbe und ist heute eines der meistbesuchten antiken Überreste Frankreichs.