Österreichische Postsparkasse

Otto Wagners Postsparkasse war eine Bank für den kleinen Mann und erhielt ein Gebäude, das modern, hygienisch und klar sein sollte. Die Fassade ist mit Marmorplatten verkleidet, die mit Aluminiumnieten befestigt sind. Die Kassenhalle hat ein Glasdach und einen Glasboden, sodass das Licht bis in den Keller dringt.
Die Österreichische Postsparkasse wurde 1883 gegründet, damit auch Menschen mit kleinem Einkommen Geld sparen konnten. Otto Wagner gewann den Wettbewerb für eine neue Zentrale, und das Haus wurde in zwei Etappen gebaut, 1904 bis 1906 und 1910 bis 1912. Wagner war damals einer der führenden Architekten Wiens und Professor an der Akademie der bildenden Künste. Er hatte sich lange für eine moderne Architektur eingesetzt, die von neuen Materialien und den Bedürfnissen der Gegenwart ausging.
Die Fassade ist mit dünnen Marmorplatten verkleidet, die mit Nieten befestigt sind, deren Köpfe aus Aluminium bestehen. Die Nieten dienten zunächst dazu, die Platten zu halten, während der Mörtel aushärtete, wurden aber auch zu einem dekorativen Muster. Aluminium war damals ein neues Material, und Wagner verwendete es auch für Geländer, Heizkörper und Möbel. Die Kassenhalle in der Mitte hat ein gewölbtes Glasdach, das von schlanken Eisenstützen getragen wird, und einen Boden aus Glasplatten. Alles ist schlicht, hell und leicht zu reinigen, und der Großteil der Einrichtung wurde von Wagner selbst entworfen.
Die Postsparkasse gilt als eines der wichtigsten Gebäude der frühen Moderne. Sie zeigt, wie Wagner sich vom Dekor der Wiener Secession hin zu einer neuen Sachlichkeit entwickelte, in der Konstruktion und Material die Grundlage der Form wurden. Die Bank ist ausgezogen, und das Gebäude wird heute unter anderem von der Universität für angewandte Kunst genutzt. Die Kassenhalle ist erhalten geblieben.