Sant’Apollinare in Classe

Sant’Apollinare in Classe, Classe, bei Ravenna
Berthold Werner, Public domain

Die Basilika steht einsam in der Ebene, wo einst Ravennas Hafenstadt lag. Ein helles Mittelschiff mit Marmorsäulen führt zur Apsis, in der sich eine grüne Paradieswiese in Mosaik ausbreitet. Bischof Apollinaris steht mitten im Bild, umgeben von Schafen.

Die Kirche wurde auf Initiative von Bischof Ursicinus in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts erbaut und 549 von Erzbischof Maximian geweiht. Den Bau finanzierte Julianus Argentarius, ein Bankier, der auch San Vitale bezahlte. Sie wurde über der Stelle errichtet, an der Ravennas erster Bischof Apollinaris wahrscheinlich begraben worden war, bei der Hafenstadt Classe. Die Kirche ist aus dünnen Ziegeln in dem als ravennatisch bezeichneten Stil gebaut, und die Marmorsäulen mit Kapitellen in Form vom Wind bewegter Blätter kamen wahrscheinlich fertig aus Konstantinopel.

Der Grundriss ist der einer klassischen Basilika mit hohem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen, getrennt durch zwölf Säulen auf jeder Seite. Die Apsis ist über einer Krypta erhöht. Das Mosaik in der Apsis zeigt Apollinaris mit zum Gebet erhobenen Armen, auf einer grünen Wiese mit Bäumen, Blumen und Vögeln stehend. Über ihm schwebt ein großes edelsteinbesetztes Kreuz in einem blauen Kreis mit Sternen; es ist ein symbolisches Bild der Verklärung Christi auf dem Berg, in dem drei Schafe für die drei Jünger stehen. Entlang der Wände stehen Sarkophage der Erzbischöfe von Ravenna. Der runde Glockenturm neben der Kirche kam im 11. Jahrhundert hinzu.

Die Hafenstadt Classe versandete und wurde im frühen Mittelalter aufgegeben, und die Kirche blieb einsam auf dem Land zurück. Im 15. Jahrhundert nahmen die Venezianer Marmor von den Wänden, doch das Mosaik in der Apsis blieb verschont. Die Kirche gehört seit 1996 zum Welterbe der frühchristlichen Monumente von Ravenna. Sie zeigt, wie hell, geräumig und klar eine frühchristliche Basilika sein konnte und wie das Mosaik eingesetzt wurde, um den Chor in ein Fenster zum Himmel zu verwandeln.