Aquädukt von Segovia

Der Aquädukt durchquert Segovia mitten in der Stadt auf doppelten Granitbögen von bis zu 28 Metern Höhe. Die Blöcke sind ohne Mörtel gesetzt. Er führte der Stadt jahrhundertelang Wasser zu und ist eines der am besten erhaltenen römischen Ingenieurbauwerke.
Der Aquädukt wurde wahrscheinlich Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. unter den Kaisern Domitian, Nerva oder Trajan gebaut; die genaue Datierung ist unsicher. Das Wasser wurde aus dem Fluss Frío in den Bergen, etwa 15 Kilometer entfernt, geholt und in einem Kanal bis zur Stadt geleitet. Dort musste es ein Tal überqueren, um den hohen Felsen zu erreichen, auf dem die Burg und die Altstadt liegen. Die Brücke ist aus unbehauenem Granit der Gegend errichtet, und die rund 20 000 Blöcke werden allein durch ihr Eigengewicht an Ort und Stelle gehalten.
Der sichtbare Teil ist etwa 800 Meter lang und hat gut 160 Bögen. Dort, wo das Tal am tiefsten ist, verlaufen die Bögen in zwei Geschossen, und die Höhe erreicht rund 28 Meter. Die Pfeiler verjüngen sich nach oben, was der Brücke trotz der Schwere des Steins einen leichten Eindruck verleiht. Das Wasser floss in einer Rinne ganz oben. Über den höchsten Bögen befindet sich eine quadratische Fläche, an der einst eine Inschrift angebracht war; erhalten sind nur die Löcher der Bronzebuchstaben. In den Nischen stehen heute Heiligenbilder, die erst viel später aufgestellt wurden.
Im 11. Jahrhundert wurde ein Teil der Bögen zerstört, und im 15. Jahrhundert wurden sie unter Ferdinand und Isabella wiederaufgebaut. Der Aquädukt führte Segovia viele hundert Jahre lang Wasser zu. Im 20. Jahrhundert bedrohten Verkehr und Abgase den Stein, und der Autoverkehr unter den Bögen wurde seither unterbunden. Die Altstadt von Segovia mit ihrem Aquädukt wurde 1985 Welterbe. Die Brücke ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden und erscheint in deren Wappen.