Stabkirche von Urnes

Stabkirche von Urnes, Urnes, Lustrafjord
Leo-setä, CC BY 2.0

Die kleine Holzkirche am Lustrafjord ist Norwegens älteste erhaltene Stabkirche. Die Wände stehen auf senkrechten Planken, den Stäben, und an der Nordwand sind geschnitzte Wandbretter einer älteren Kirche angebracht. Deren sich windende Tiere haben einem ganzen Stil seinen Namen gegeben, dem Urnesstil.

Stabkirchen waren im Mittelalter der häufigste Kirchentyp in Norwegen, und es gab vielleicht über tausend. Die Stabkirche von Urnes wurde um 1130 erbaut, wie dendrochronologische Datierungen des Holzes gezeigt haben. An der Stelle hatte zuvor eine noch ältere Holzkirche gestanden, und Teile von ihr wurden wiederverwendet. Am berühmtesten sind das Portal und die Planken an der Nordwand, die wahrscheinlich aus der älteren Kirche des 11. Jahrhunderts stammen. Die Kirche ist aus dem Kernholz der Kiefer gebaut.

Eine Stabkirche steht auf einem Rahmen aus Schwellen, liegenden Balken, die auf einem Steinfundament ruhen. In den Schwellen stehen Eckpfosten und senkrechte Planken, die Stäbe, die die Wände bilden. In Urnes gibt es einen höheren Mittelraum, getragen von frei stehenden Stäben mit geschnitzten Kapitellen, und einen niedrigeren umgebenden Raum. Die Schnitzereien am Nordportal zeigen lang gestreckte, sich windende Tiere, die einander beißen, in einem dichten und eleganten Muster. Dieser Stil heißt heute Urnesstil und ist der letzte der wikingerzeitlichen Tierornamentstile.

Die Kirche wurde im Lauf der Jahrhunderte umgebaut und erhielt neue Fenster und eine neue Ausstattung, doch das Tragwerk ist mittelalterlich. Der Verein zur Erhaltung altertümlicher Denkmäler (Föreningen till fornminnesmärkens bevarande) kaufte die Kirche 1881, und seither wird sie als Denkmal gepflegt. 1979 wurde sie als eine der ersten Stätten des Nordens Welterbe. Von Norwegens vielen Stabkirchen sind noch rund achtundzwanzig erhalten. Urnes zeigt, wie christlicher Kirchenbau und die Bildwelt der Wikingerzeit in der Holzarchitektur aufeinandertrafen.