Die Pfalzkapelle Karls des Großen
Karl der Große lässt in Aachen eine Pfalzkapelle nach dem Vorbild von San Vitale in Ravenna errichten, mit Marmorsäulen, die aus Italien herbeigeschafft wurden.
Die karolingische Renaissance brachte die Formen der Antike und von Byzanz nördlich der Alpen und ebnete der Romanik den Weg.
Karl der Große wurde 768 König der Franken und eroberte während seiner langen Herrschaft den größten Teil Westeuropas. Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde er vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt. Er wollte sein Reich als Erneuerung des Römischen Reiches verstanden wissen, und Aachen mit seinen warmen Quellen wurde ab den 790er-Jahren seine wichtigste Residenz. Dort entstand eine Pfalz mit einer großen Halle und einer Kapelle, die durch einen Gang verbunden waren. Karl hatte Italien mehrmals besucht und die byzantinischen Kirchen in Ravenna gesehen. Er erhielt vom Papst die Erlaubnis, von dort und aus Rom Säulen und Marmor zu holen, damit seine Kapelle die Antike buchstäblich in sich trage.
Die Kapelle ist ein achteckiger Zentralbau, umgeben von einem sechzehneckigen, zweigeschossigen Umgang. Als Architekt wird ein Odo von Metz genannt. Im Obergeschoss im Westen steht ein schlichter Thron aus Marmorplatten, dem Altar zugewandt, von dem aus der Herrscher der Messe folgen konnte. Die Westfassade hat einen hohen Turmbau, ein frühes Beispiel für das, was später Westwerk genannt wird. Die Bronzegitter der Empore wurden im Wesentlichen vor Ort gegossen, was zeigt, dass das Wissen um den Bronzeguss nördlich der Alpen erhalten geblieben war. Die Kapelle war um das Jahr 800 fertiggestellt und war lange Zeit das größte gewölbte Bauwerk nördlich der Alpen. Karl wurde hier beigesetzt, als er 814 starb.
Aachen wurde für Jahrhunderte ein symbolisches Zentrum. Zwischen dem 10. und dem 16. Jahrhundert wurden über dreißig deutsche Könige in der Kapelle gekrönt und nahmen auf Karls Thron Platz. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde im Osten ein hoher gotischer Chor mit großen Glasfenstern angebaut, den Pilger bisweilen das Glashaus nannten, und die Kapelle ist heute Teil des Aachener Doms. Die karolingische Kultur erreichte auch den Norden. Aus dem Reich von Karls Sohn Ludwig dem Frommen wurde der Missionar Ansgar um 830 nach Birka gesandt, und vom Erzbistum Hamburg-Bremen aus wurde die Kirche Skandinaviens lange gelenkt. 1978 wurde der Dom zu Aachen eine der allerersten Welterbestätten.