Alberti schreibt über die Baukunst
Leon Battista Alberti legt „Zehn Bücher über die Baukunst“ vor, die erste große Architekturtheorie seit Vitruv. Schönheit ist für ihn eine Harmonie, zu der nichts hinzugefügt und von der nichts weggenommen werden kann.
Der Architekt wurde zu einem gelehrten Künstler, nicht mehr nur zu einem Baumeister.
Leon Battista Alberti wurde 1404 in Genua geboren, als unehelicher Sohn einer florentinischen Kaufmannsfamilie, die im Exil lebte. Er studierte Rechtswissenschaft in Bologna, wurde Sekretär in der päpstlichen Kanzlei und reiste in den 1430er-Jahren mit der Kurie nach Florenz. Dort lernte er den Kreis um Brunelleschi, Donatello und Masaccio kennen, und er schrieb ein Buch über die Malerei, in dem er zum ersten Mal die Zentralperspektive in Worten erklärte. Alberti war ein typischer Humanist: Er schrieb über die Familie, über Mathematik, über Pferde und über Moral. In Rom vermaß er die Ruinen und fertigte einen Plan der Stadt an, und unter Papst Nikolaus V. wurde er Berater, als der Papst die verfallene Stadt erneuern wollte.
Das Werk über die Baukunst, De re aedificatoria, ist auf Latein verfasst und wie bei Vitruv in zehn Bücher gegliedert. Doch Alberti wollte sein Vorbild nicht nur kommentieren. Er ordnete den Stoff nach eigenen Prinzipien, mit Büchern über die Materialien, über das Bauen, über die verschiedenen Bautypen und über den Schmuck. Die Schönheit nannte er concinnitas, ein Zusammenklingen der Teile, während der Schmuck etwas war, das hinzugefügt wird, wie der Schmuck an einem Körper. Die Stadt war für ihn wie ein großes Haus und das Haus wie eine kleine Stadt. Das Buch enthielt absichtlich keine Abbildungen; Alberti vertraute mehr auf das Wort als auf die Fähigkeit der Kopisten, Zeichnungen wiederzugeben. Es wurde 1485 gedruckt, nach seinem Tod im Jahr 1472.
Alberti war auch praktisch tätig, aber auf neue Weise: Er entwarf, und andere bauten. In Florenz gab er der Fassade des Palazzo Rucellai ein Netz von Pilastern in drei Ordnungen und der Kirche Santa Maria Novella eine Fassade mit großen Voluten, die die niedrigen Seitenschiffe mit dem hohen Mittelschiff verbanden. In Rimini baute er eine gotische Kirche mit einem römischen Triumphbogen als Fassade um, und in Mantua entwarf er Sant’Andrea mit einem gewaltigen Tonnengewölbe, das Bramante lehrte, wie man monumentale Räume schafft. Sein Buch wurde Mitte des 16. Jahrhunderts ins Italienische übersetzt und in ganz Europa gelesen. Mit Alberti wurde der Architekt zu einem Denker, der zeichnete, und nicht in erster Linie zu einem Handwerker.