Das Bauhaus wird gegründet
Walter Gropius gründet die Schule Bauhaus, in der Kunst, Handwerk und Industrie vereint werden sollen. Die Schule zieht nach Dessau um und wird 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten geschlossen.
Die Lehrer und Schüler des Bauhauses verbreiteten die Moderne über die Welt, nicht zuletzt in den USA.
Deutschland 1919 war ein Land in der Krise nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, aber auch voller Hoffnungen auf einen Neuanfang in der neuen Republik. Schon vor dem Krieg hatte der Deutsche Werkbund Architekten, Künstler und Industrielle um die Idee versammelt, dass die Erzeugnisse der Industrie sowohl gut gemacht als auch schön sein sollten. Walter Gropius hatte zusammen mit Adolf Meyer das Faguswerk gebaut, eine Fabrik mit verglasten Ecken, die in die Zukunft wies. Als der belgische Architekt Henry van de Velde die Kunstgewerbeschule in Weimar verließ, empfahl er Gropius, der sie mit der Kunstakademie zu einer neuen Schule zusammenlegte. Das Manifest des Bauhauses war mit Lyonel Feiningers Holzschnitt einer Kathedrale geschmückt, einem Bild für das Zusammenwirken aller Künste.
Der Unterricht begann mit einem Vorkurs über Form, Material und Farbe, der von Johannes Itten und später von László Moholy-Nagy und Josef Albers geleitet wurde. Danach arbeiteten die Studierenden in Werkstätten für Holz, Metall, Weberei, Keramik und Druck, unter einem Künstler und einem Handwerksmeister zugleich. Zu den Lehrern zählten Wassily Kandinsky und Paul Klee. Als eine Rechtsregierung in Thüringen die Mittel strich, zog die Schule 1925 in die Industriestadt Dessau um, wo Gropius ein neues Schulgebäude mit einem Werkstattflügel hinter einer ganzen Glaswand entwarf. Dort gestaltete Marcel Breuer Stühle aus Stahlrohr und Marianne Brandt Lampen für die industrielle Fertigung. Nach Gropius wurde die Schule von Hannes Meyer und zuletzt von Ludwig Mies van der Rohe geleitet.
Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, musste das Bauhaus, das sie als kulturbolschewistisch ansahen, 1933 schließen. Die Lehrer zerstreuten sich über die Welt. Gropius und Breuer lehrten in Harvard, Mies van der Rohe in Chicago, Moholy-Nagy gründete in Chicago ein neues Bauhaus, und Albers lehrte am Black Mountain College. In Tel Aviv baute eine Reihe von Architekten mit Bauhaus-Ausbildung eine ganze weiße Stadt. So wurde die Schule, die nur vierzehn Jahre bestand, zu einer der einflussreichsten des 20. Jahrhunderts. In Schweden verfolgte der Schwedische Verein für Kunsthandwerk (Svenska Slöjdföreningen) einen eng verwandten Gedanken; dort veröffentlichte Gregor Paulsson im selben Jahr, in dem das Bauhaus gegründet wurde, die Schrift „Schönere Gebrauchsware“ (Vackrare vardagsvara). Die Bauhausbauten in Weimar und Dessau sind heute Welterbe.