William Blake

Der Dichter und Visionär.
William Blake war Kupferstecher, Dichter und Maler. Er illustrierte eigene Gedichte und Dantes „Göttliche Komödie“ mit Visionen von Engeln und Dämonen.
William Blake wurde 1757 in London geboren. Sein Vater verkaufte Strümpfe und Stoffe. Schon als Kind behauptete Blake, Visionen zu haben, etwa Engel in einem Baum. Er besuchte eine Zeichenschule und kam mit vierzehn Jahren bei dem Kupferstecher James Basire in die Lehre. Während der Lehrzeit zeichnete er Grabmäler in der Westminster Abbey, und die gotische Kunst blieb ein Leben lang eine Inspirationsquelle. Kurz studierte er an der Royal Academy, fühlte sich aber an den Regeln der Akademie nicht wohl.
1782 heiratete er Catherine Boucher. Sie konnte bei der Heirat nicht schreiben, doch Blake brachte es ihr bei, und sie wurde seine Mitarbeiterin an der Druckerpresse. Gegen Ende der 1780er-Jahre entwickelte Blake ein eigenes Verfahren, die Reliefradierung, bei dem Text und Bild auf derselben Kupferplatte geätzt wurden. Die Drucke wurden anschließend von Hand koloriert. So gab er seine Gedichtsammlungen heraus, darunter „Lieder der Unschuld“ (1789) und „Lieder der Unschuld und der Erfahrung“ (1794) mit dem Gedicht „Der Tiger“.
Blake schuf eine eigene Mythologie mit Gestalten wie Urizen, dem strengen Gott der Vernunft. Das Bild „Der Alte der Tage“ (The Ancient of Days), in dem eine bärtige Gestalt mit einem Zirkel die Welt vermisst, ist eines seiner bekanntesten Motive. Der Farbdruck „Newton“ (1795) in der Tate zeigt den Wissenschaftler als nackte Gestalt, die sich über ihre Berechnungen beugt. Sein Stil zeichnet sich durch kraftvolle, muskulöse Körper, flammende Linien und klare Farben aus. Die Ölmalerei verachtete er und bevorzugte Aquarell und Tempera.
Blake war radikal und sympathisierte mit der Französischen Revolution. Fast sein ganzes Leben lang lebte er in Armut und galt vielen als exzentrisch oder verrückt. 1803 wurde er nach einem Streit mit einem Soldaten des Aufruhrs angeklagt, aber freigesprochen. Eine Ausstellung 1809 wurde ein Misserfolg. In den letzten Jahren wurde er von einem Kreis junger Künstler unterstützt und arbeitete an Illustrationen zum Buch Hiob und zu Dantes „Göttlicher Komödie“. Er starb 1827, die Dante-Bilder blieben unvollendet.
Nach seinem Tod geriet Blake in Vergessenheit, doch die Präraffaeliten entdeckten ihn wieder. Heute gilt er als einer der größten Dichter Englands und als einzigartiger bildender Künstler. Sein Gedicht, das das Werk „Milton“ einleitet, wurde zur Hymne „Jerusalem“, und seine Visionen inspirierten die Gegenkultur der 1960er-Jahre.