Sandro Botticelli

Der poetischste Maler von Florenz.
Botticelli arbeitete für die Familie Medici und malte sowohl christliche Motive als auch antike Mythen. Seine Linien sind elegant, seine Figuren scheinen fast zu schweben.
Sandro Botticelli hieß eigentlich Alessandro di Mariano Filipepi und wurde um 1445 in Florenz geboren. Der Beiname bedeutet „kleines Fass“ und bezog sich ursprünglich offenbar auf einen älteren Bruder. Er ging bei dem Maler Filippo Lippi in die Lehre, dessen elegante Linien und sanfte Madonnen in seinen frühen Werken zu erkennen sind. Um 1470 hatte er eine eigene Werkstatt.
Früh erhielt er Aufträge von der Familie Medici und ihrem Kreis. In der „Anbetung der Könige“ in den Uffizien hat er Mitglieder der Familie Medici unter die Weisen gesetzt und vermutlich sich selbst am Bildrand. In den Jahren 1481–82 gehörte er zu den Malern, die nach Rom gerufen wurden, um die Wände der Sixtinischen Kapelle auszuschmücken. Seine berühmtesten Werke sind zwei große mythologische Bilder, „Der Frühling“ von um 1480 und „Die Geburt der Venus“ von um 1485. Beide hängen in den Uffizien.
Diese Bilder waren etwas Neues. Antike Göttinnen im Großformat, fast auf einer Stufe mit religiösen Motiven, waren ungewöhnlich. Sie spiegeln die philosophischen Ideen über Schönheit und Liebe wider, die im Medici-Kreis diskutiert wurden, doch wie genau sie zu deuten sind, ist umstritten. Botticellis Stil beruht auf der Linie. Die Konturen sind weich und fließend, Haar und Gewänder flattern, und die Figuren scheinen fast zu schweben. Raum und Anatomie waren ihm weniger wichtig als Rhythmus und Eleganz.
In den 1490er-Jahren wurde Florenz vom Prediger Savonarola erschüttert, der Luxus und heidnische Bilder verdammte. Botticellis Spätwerke sind ernster und intensiver, etwa die „Mystische Geburt“ in London von um 1500. Wie nahe er Savonarola stand, ist allerdings unsicher. Er schuf auch eine große Zahl von Zeichnungen zu Dantes „Göttlicher Komödie“. Er heiratete nie und starb 1510.
Im 16. Jahrhundert geriet er in den Schatten von Leonardo und Michelangelo und wurde fast vergessen. Im 19. Jahrhundert wurde er von englischen Künstlern und Kritikern wiederentdeckt, und heute gehört „Die Geburt der Venus“ zu den bekanntesten Bildern der Welt.