James Ensor

James Ensor
Henry de Groux, Public domain

Maler der Masken in Ostende.

James Ensor malte maskierte Menschenmengen und Skelette in grellen Farben. „Der Einzug Christi in Brüssel im Jahre 1889“ nimmt den Expressionismus vorweg.

James Ensor wurde 1860 im Badeort Ostende in Belgien geboren. Sein Vater war Engländer, seine Mutter Belgierin. Die Familie betrieb ein Souvenirgeschäft, das Muscheln, Porzellan und Karnevalsmasken verkaufte. Ensor studierte 1877–1880 an der Kunstakademie in Brüssel, kehrte dann aber nach Ostende zurück, wo er fast sein ganzes Leben wohnte.

In den ersten Jahren malte er düstere, realistische Interieurs aus dem bürgerlichen Leben. In den 1880er-Jahren hellte sich die Palette auf, und die Motive wurden zunehmend fantastisch. Die Masken aus dem Geschäft der Familie wurden zentral. Sie tauchten in Menschengewimmel auf, oft zusammen mit Skeletten und Dämonen.

Sein Hauptwerk ist „Der Einzug Christi in Brüssel im Jahre 1889“, gemalt 1888. Es zeigt eine riesige Menge maskierter Gestalten, die auf den Betrachter zuströmt, während Christus fast in der Menge verschwindet. Das Bild war so provokativ, dass es erst viel später öffentlich gezeigt wurde. Heute befindet es sich im Getty Museum in Los Angeles. Ensor gehörte 1883 zu den Mitbegründern der Künstlergruppe Les XX in Brüssel, wurde aber auch dort oft abgelehnt.

Der Stil zeichnet sich durch grelle Farben, groben Pinselduktus und bissige Satire gegen Kirche, Militär und Bürgertum aus. Er schuf auch viele Radierungen mit denselben Motiven.

Im 20. Jahrhundert wurde Ensor zunehmend anerkannt. 1929 wurde er in den Baronsstand erhoben und starb 1949 in Ostende. Sein Haus ist heute ein Museum. Er gilt als Wegbereiter sowohl des Expressionismus als auch des Surrealismus. Paradoxerweise malte er seine innovativsten Werke in den 1880er- und 1890er-Jahren, während vieles von dem, was er nach der Jahrhundertwende schuf, frühere Motive wiederholte. Deutsche Expressionisten wie Emil Nolde besuchten ihn und ließen sich von seinen Masken und Farben beeindrucken.