Fan Kuan

Der Meister der monumentalen Landschaft.
Fan Kuan lebte als Einsiedler in den Bergen und malte gewaltige, hochformatige Landschaften. „Reisende zwischen Bergen und Flüssen“ gilt als eines der größten Werke der chinesischen Kunst.
Fan Kuan wurde um 950 in Huayuan in der heutigen Provinz Shaanxi geboren und starb um 1030. Sein eigentlicher Name war Fan Zhongzheng. Kuan bedeutet etwa „großzügig“ oder „weit“ und war ein Spitzname, der sich auf seine freie und großherzige Art bezog. Er lebte zu Beginn der Nördlichen Song-Dynastie, als die monumentale Landschaftsmalerei ihren Höhepunkt erreichte.
Den Quellen zufolge studierte er zunächst bei dem Maler Li Cheng, erkannte aber, dass es besser sei, von der Natur zu lernen als von anderen Menschen. Er zog sich in die Zhongnan- und Taihua-Berge zurück, wo er als Einsiedler lebte und die Landschaft bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit beobachtete. Er soll dem Wein zugetan gewesen sein und sich nicht um Konventionen gekümmert haben.
Sein Meisterwerk ist „Reisende zwischen Bergen und Flüssen“, eine Hängerolle auf Seide von über zwei Metern Höhe. Sie befindet sich im Nationalen Palastmuseum in Taipeh. In der Mitte erhebt sich ein gewaltiger Berg, der das Bild fast ausfüllt. Ein schmaler Wasserfall stürzt an der Felswand herab. Ganz unten, kaum sichtbar, gehen einige kleine Reisende mit Eseln. Die Winzigkeit des Menschen vor der Natur ist deutlich. 1958 entdeckte ein Forscher Fan Kuans Signatur, versteckt zwischen dem Laub in der unteren Ecke des Bildes.
Fan Kuan baute die Oberfläche der Berge aus Tausenden kleiner Punkte und kurzer Striche auf, den sogenannten Regentropfen-Strukturen, die dem Stein Gewicht und Körnung verleihen. Die Komposition ist klar in Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund gegliedert. „Reisende zwischen Bergen und Flüssen“ gilt als eines der bedeutendsten Werke der chinesischen Kunstgeschichte und hat die Landschaftsmalerei tausend Jahre lang beeinflusst.