Lucian Freud

Der Porträtmaler von Fleisch und Präsenz.
Lucian Freud, Enkel von Sigmund Freud, malte nackte Körper und Porträts in dicker Farbe und mit unbarmherzigem Blick.
Lucian Freud wurde 1922 in Berlin geboren. Sein Großvater war der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, sein Vater Architekt. Die Familie war jüdisch und zog 1933, als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, nach London. Lucian studierte unter anderem an einer von dem Maler Cedric Morris geleiteten Kunstschule in East Anglia und diente während des Krieges kurze Zeit in der Handelsmarine.
Seine frühen Gemälde sind klein, sehr detailreich und beinahe unwirklich scharf, mit großen Augen und sorgfältig gezeichneten Haarsträhnen. „Mädchen mit Kätzchen“ von 1947, ein Porträt seiner ersten Frau Kitty Garman, befindet sich in der Tate in London. In den 1950er-Jahren wechselte er zu gröberen Pinseln und begann im Stehen zu malen. Die Farbe wurde dicker, und die Haut erhielt eine schwere, fleischliche Qualität.
Freud malte fast ausschließlich Menschen, meist Personen, die er gut kannte. Sie saßen oder lagen hunderte Stunden Modell, oft nackt, und er schilderte den Körper, ohne ihn zu beschönigen. Bekannte Modelle waren der Performancekünstler Leigh Bowery und die Sachbearbeiterin der Sozialversicherung Sue Tilley, deren Porträt „Benefits Supervisor Sleeping“ von 1995 im Jahr 2008 für einen Rekordpreis für einen lebenden Künstler verkauft wurde. 2001 malte er ein kleines und viel diskutiertes Porträt von Königin Elisabeth II.
Sein Privatleben war ungeordnet und viel besprochen. Er war zweimal verheiratet und hatte mit mehreren Frauen eine große Zahl von Kindern. Viele Jahre war er eng mit Francis Bacon befreundet, und die beiden malten einander porträtthaft. Sein Porträt von Bacon aus dem Jahr 1952 wurde 1988 bei einer Ausstellung in Berlin gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht.
Freud arbeitete intensiv bis zu seinem Tod 2011 in London. Er gilt als einer der bedeutendsten figurativen Maler nach dem Krieg und als derjenige, der mehr als jeder andere am nackten menschlichen Körper als Motiv festhielt, in einer Zeit, in der Abstraktion und Konzeptkunst dominierten.