Giotto di Bondone

Giotto di Bondone
Possibly Paolo Uccello / Florentine School, Public domain

Der Maler, der den Menschen Gewicht und Gefühle verlieh.

Giotto brach mit dem flachen byzantinischen Stil und malte Figuren, die auf dem Boden stehen und Trauer, Freude und Zweifel empfinden. Er gilt als Wegbereiter der Renaissance.

Giotto di Bondone wurde um 1267 im Mugello nördlich von Florenz geboren, der Überlieferung nach im Dorf Vespignano. Man nimmt an, dass er bei Cimabue in die Lehre ging, doch das beruht vor allem auf späteren Erzählungen. Die Geschichte, Cimabue habe ihn entdeckt, als er Schafe auf einen Stein zeichnete, ist eine Legende. Sicher ist, dass Giotto schon in jungen Jahren ein gefragter Maler mit Aufträgen in mehreren Städten war.

Sein Hauptwerk sind die Fresken der Scrovegni-Kapelle in Padua, die gewöhnlich auf die Jahre um 1305 datiert werden. Die Kapelle wurde vom reichen Enrico Scrovegni in Auftrag gegeben. Die Wände sind mit Szenen aus dem Leben Marias und Christi bedeckt, unter einer tiefblauen Decke mit goldenen Sternen. Bilder wie „Der Judaskuss“ und „Die Beweinung Christi“ gehören zu den berühmtesten der Kunstgeschichte. Er malte auch die Ognissanti-Madonna, die sich heute in den Uffizien befindet, sowie Fresken in der Bardi- und der Peruzzi-Kapelle in Santa Croce in Florenz. Ob er den berühmten Franziskuszyklus in Assisi gemalt hat, ist umstritten.

Das Neue bei Giotto ist, dass die Menschen Körper mit Gewicht haben. Sie stehen auf dem Boden, ihre Kleider fallen wie echter Stoff, und sie bewegen sich in einem Raum mit Tiefe. Am wichtigsten sind die Gefühle. In der Beweinungsszene beugen sich die Trauernden über Christus, und die Engel in der Luft winden sich vor Verzweiflung. Die Hintergründe sind schlicht, sodass die Aufmerksamkeit auf die menschlichen Dramen gelenkt wird.

Giotto war verheiratet und hatte mehrere Kinder. Er war ein erfolgreicher Unternehmer mit einer großen Werkstatt und arbeitete unter anderem in Rom, Neapel und Padua. 1334 wurde er zum Dombaumeister von Florenz ernannt und entwarf den Campanile, den Glockenturm, der nach seinem Tod vollendet wurde. Er starb 1337 in Florenz.

Schon seine Zeitgenossen sahen in ihm einen Erneuerer. Dante erwähnt ihn, und Boccaccio schrieb, er habe die Malerei wieder zum Leben erweckt. Später studierten Masaccio und Michelangelo seine Fresken. Er gilt daher als einer der Wegbereiter der Renaissance und als eine der wichtigsten Gestalten in der Geschichte der westlichen Malerei.