Eileen Gray

Eileen Gray
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Die übersehene Pionierin.

Eileen Gray war Lackkünstlerin, Möbeldesignerin und Architektin. Ihr Haus E-1027 und der Bibendum-Sessel sind Klassiker der Moderne.

Eileen Gray wurde 1878 bei Enniscorthy in Irland in eine aristokratische Familie geboren. Sie studierte Malerei an der Slade School of Fine Art in London und zog Anfang des 20. Jahrhunderts nach Paris, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte. Dort erlernte sie von dem japanischen Handwerker Seizo Sugawara die japanische Lacktechnik, ein mühsames Verfahren, bei dem Schicht um Schicht Lack trocknen und geschliffen werden muss.

Ihre Lackarbeiten erregten Aufmerksamkeit, und der Couturier Jacques Doucet kaufte mehrere davon, darunter einen Paravent von 1913. 1922 eröffnete sie in Paris die Galerie Jean Désert, in der sie Möbel, Teppiche und Lampen verkaufte. Ihre Blockparavents aus beweglichen Lackpaneelen und der Sessel Bibendum, aufgebaut aus gerundeten Polstern, gehören zu ihren bekannten Werken. Die Einrichtung einer Wohnung in der rue de Lota in Paris Anfang der 1920er-Jahre zeigte ihre Fähigkeit, Gesamtkonzepte zu schaffen.

Ermutigt von ihrem Freund, dem Architekten Jean Badovici, begann sie Häuser zu entwerfen. Die Villa E-1027 in Roquebrune-Cap-Martin am Mittelmeer wurde 1926–29 errichtet. Das Haus ist leicht und offen, mit Möbeln, die sich ausklappen, drehen und verschieben lassen, darunter der verstellbare Beistelltisch E-1027 aus Stahlrohr. Später malte Le Corbusier ohne ihre Zustimmung Wandbilder im Haus, was sie als Übergriff empfand. Danach baute sie ein eigenes Haus, Tempe à Pailla, in Castellar.

Gray arbeitete selbstständig, ohne große Aufträge und ohne Publicity zu suchen. Sie hatte Beziehungen zu Männern und Frauen, darunter zur Sängerin Damia. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet sie fast in Vergessenheit und lebte zurückgezogen in Paris.

Ende der 1960er-Jahre wurde sie wiederentdeckt, und mehrere ihrer Möbel wurden wieder produziert. Gray starb 1976. 2009 wurde ihr Sessel „Drachensessel“ auf einer Auktion für umgerechnet über 20 Millionen Euro verkauft, ein Rekord für ein Möbelstück des 20. Jahrhunderts. E-1027 wurde restauriert und kann besichtigt werden. Heute gilt sie als eine der wichtigsten Pionierinnen der Moderne.