Hans Holbein d.y.

Der Meister des Porträts am Hof Heinrichs VIII.
Hans Holbein der Jüngere stammte aus Augsburg und wurde Hofmaler in England. Seine Porträts sind genau, und in den „Gesandten“ verbirgt sich ein verzerrter Totenschädel.
Hans Holbein der Jüngere wurde um 1497–98 in Augsburg geboren. Sein Vater Hans Holbein der Ältere war ein bekannter Maler, und der Sohn erlernte den Beruf in dessen Werkstatt. Um 1515 zog er nach Basel in der Schweiz, eine Stadt mit vielen Buchdruckern und Humanisten. Dort schuf er früh Randzeichnungen in einem Exemplar von Erasmus von Rotterdams „Lob der Torheit“ sowie Holzschnitte für die Druckereien, darunter eine berühmte Folge über den Totentanz.
In Basel malte er 1521–22 „Der tote Christus im Grabe“, heute im Kunstmuseum Basel. Es ist eine lange, schmale Tafel, auf der der Tote mit sichtbaren Zeichen der Verwesung liegt, ohne jede Beschönigung. Der russische Schriftsteller Dostojewski schrieb, man könne beim Anblick dieses Bildes seinen Glauben verlieren. Holbein malte auch mehrere Porträts von Erasmus. Doch die Reformation in Basel führte zu Bilderstürmen, und die Nachfrage nach religiöser Kunst verschwand.
Mit einem Empfehlungsschreiben von Erasmus reiste er 1526 nach England zu Thomas More. Nach einigen Jahren in Basel kehrte er 1532 nach London zurück und blieb dort für den Rest seines Lebens. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Die Gesandten“ von 1533 in der National Gallery in London. Zwei französische Gesandte stehen zwischen wissenschaftlichen Instrumenten, und auf dem Boden liegt eine verzerrte Form, die sich als Totenschädel erweist, wenn man sie schräg von der Seite betrachtet. Ein solches verzerrtes Motiv heißt Anamorphose.
Ab Mitte der 1530er-Jahre war er Hofmaler bei Heinrich VIII. Er schuf das Bild des Königs, breitbeinig und mächtig, das wir noch heute haben. Das große Wandgemälde in Whitehall wurde 1698 bei einem Brand zerstört, doch Teile der Vorarbeiten sind erhalten. Er porträtierte auch mehrere der künftigen Ehefrauen des Königs, darunter Anna von Kleve. Holbeins Porträts sind genau, mit scharfem Blick für Stoff, Schmuck und Gesichtszüge, aber zugleich still und zurückhaltend. Seine Frau und seine Kinder blieben in Basel. Er starb 1543 in London, wahrscheinlich an der Pest.
Holbein gilt als einer der größten Porträtmaler der Geschichte. Seine Bilder des Tudor-Hofes haben unsere Vorstellung von einer ganzen Epoche geprägt.