Georges de La Tour

Der stille Maler des Lichts.
Georges de La Tour in Lothringen malte Szenen, die von einer einzigen Kerze erhellt werden. Er geriet in Vergessenheit und wurde erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt.
Georges de La Tour wurde 1593 in Vic-sur-Seille im Herzogtum Lothringen geboren, das damals nicht zu Frankreich gehörte. Er war der Sohn eines Bäckers. Wo er das Malen lernte, ist unbekannt. Möglicherweise reiste er nach Italien oder in die Niederlande und sah dort die Nachfolger Caravaggios, doch dafür gibt es keine Belege. 1617 heiratete er Diane Le Nerf, die aus einer adligen Familie stammte, und sie zogen in ihre Heimatstadt Lunéville.
Er wurde ein wohlhabender und angesehener Mann. Er erhielt Aufträge vom Herzog von Lothringen und später aus Frankreich, und 1639 bekam er den Titel eines königlichen Malers. Zugleich gibt es Archivnachrichten, wonach er Bauern gegenüber arrogant und gewalttätig war und die Einwohner der Stadt sich über ihn beschwerten. Lothringen wurde vom Dreißigjährigen Krieg schwer getroffen, und Lunéville wurde 1638 niedergebrannt.
Seine frühen Gemälde sind Tageslichtszenen von scharfem Realismus, wie „Der Falschspieler mit dem Karo-Ass“ im Louvre, in dem ein junger Mann am Kartentisch betrogen wird, während die Blicke das Komplott verraten. Am bekanntesten ist er jedoch für seine Nachtszenen. Darin beleuchtet ein einziges Licht, oft eine Kerze oder eine Laterne, vereinfachte Figuren in einem dunklen Raum. Beispiele sind „Der heilige Josef als Zimmermann“ im Louvre und mehrere Fassungen der „Büßenden Maria Magdalena“, die versunken vor einer Flamme und einem Totenschädel sitzt. Die Formen sind glatt und geometrisch, die Stimmung still und andächtig.
La Tour starb im Januar 1652 in Lunéville, kurz nach seiner Frau, vermutlich in einer Epidemie. Heute sind nur etwa vierzig Gemälde bekannt.
Nach seinem Tod geriet er völlig in Vergessenheit, und seine Werke wurden anderen Malern zugeschrieben. Ein deutscher Kunsthistoriker identifizierte ihn 1915, und eine Ausstellung in Paris 1934 machte ihn berühmt. Seine stille, fast moderne Vereinfachung der Formen lässt ihn heute als einen der großen französischen Maler des 17. Jahrhunderts gelten.