Claude Lorrain

Der Meister der idealen Landschaft.
Claude Lorrain malte Sonnenuntergänge über antiken Häfen und arkadische Landschaften. Englische Gartengestalter versuchten später, seine Bilder in der Wirklichkeit nachzubauen.
Claude Lorrain hieß eigentlich Claude Gellée und wurde um 1600 in Chamagne im Herzogtum Lothringen geboren, daher sein Name. Er wurde früh Waise und kam als junger Mann nach Italien. Einer frühen Biografie zufolge arbeitete er zunächst als Konditor, doch das ist unsicher. In Rom wurde er Gehilfe des Landschaftsmalers Agostino Tassi, und eine Zeit lang war er auch in Neapel.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Lothringen ließ er sich 1627 endgültig in Rom nieder. In den 1630er-Jahren wurde er berühmt und erhielt Aufträge von Päpsten, Kardinälen und dem spanischen König. Er war so gefragt, dass Fälschungen auftauchten. Um sich zu schützen, fertigte er Zeichnungen von fast allen seinen Gemälden an und sammelte sie in einem Buch, dem „Liber Veritatis“, dem Buch der Wahrheit. Es befindet sich heute im British Museum in London.
Claudes Bilder sind ideale Landschaften. Sie zeigen Häfen mit antiken Palästen oder grüne Täler mit Ruinen, Hirten und kleinen Figuren aus Mythen oder der Bibel. Das eigentliche Motiv ist das Licht. Oft steht die Sonne tief am Horizont, und die Tiefe des Bildes füllt sich mit goldenem Dunst. Ein bekanntes Beispiel ist „Hafen mit der Einschiffung der Königin von Saba“ von 1648 in der National Gallery in London. Er zeichnete viel im Freien in der Landschaft um Rom, was zu dieser Zeit ungewöhnlich war.
Claude heiratete nie, hatte aber eine Tochter, die bei ihm lebte. Er führte ein ruhiges Leben und starb 1682 in Rom.
Sein Einfluss war in England am größten. Englische Reisende kauften seine Bilder und versuchten, in ihren Parks ähnliche Landschaften zu schaffen, etwa in Stourhead. Touristen benutzten einen getönten Spiegel, einen sogenannten Claude-Spiegel, um die Natur wie in seinen Gemälden zu sehen. William Turner bewunderte ihn so sehr, dass er in seinem Testament verlangte, zwei seiner eigenen Bilder sollten in der National Gallery neben zwei Bildern Claudes hängen.