Agnes Martin

Agnes Martin
Carolineandrieu, CC BY-SA 4.0

Die stille Malerin der Raster.

Agnes Martin malte helle, quadratische Leinwände mit Bleistiftrastern und zarten Farbbändern. Sie sprach von Glück und Unschuld.

Agnes Martin wurde 1912 in Macklin in Saskatchewan in Kanada geboren und wuchs in Vancouver auf. Sie zog in die USA und studierte am Teachers College der Columbia University in New York. Viele Jahre arbeitete sie als Lehrerin und tastete sich langsam als Künstlerin voran, unter anderem in Taos in New Mexico.

1957 überredete die Galeristin Betty Parsons sie, nach New York zu ziehen. Sie wohnte am Coenties Slip im Süden Manhattans, in der Nähe von Künstlern wie Ellsworth Kelly und Robert Indiana. Dort fand sie ihre Form: quadratische Leinwände, oft knapp zwei Meter Seitenlänge, überzogen mit feinen Bleistiftrastern über hellem Grund. Die Linien sind von Hand gezogen und zittern leicht. Ihre Kunst wird oft dem Minimalismus zugeordnet, doch sie verstand sich selbst als abstrakte Expressionistin.

1967 hörte sie plötzlich auf zu malen, verließ New York und reiste lange durch Nordamerika. Schließlich ließ sie sich in New Mexico nieder. Erst Anfang der 1970er-Jahre begann sie wieder zu arbeiten, nun oft mit weichen, horizontalen Bändern in blassen Farben wie Rosa, Hellblau und Gelb. Sie litt an Schizophrenie und war zeitweise in stationärer Behandlung, worüber sie erst spät offen sprach.

Martin ließ sich vom Zen-Buddhismus und vom Taoismus inspirieren. Ihre Gemälde, sagte sie, handelten von Freude, Unschuld und Schönheit, von Gefühlen, die man beim Betrachten der Natur erleben kann, die aber nicht die Natur selbst sind. Sie schrieb auch Texte über Kunst und Inspiration. 1997 erhielt sie auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk.

Sie starb 2004 in Taos im Alter von 92 Jahren. Ihre stillen Gemälde haben zunehmend an Bedeutung gewonnen und gelten heute als einige der meditativsten Werke der amerikanischen Kunst nach dem Krieg.