Gustave Moreau

Der Träumer des Symbolismus.
Gustave Moreau malte mythologische Szenen, überzogen von juwelenhaft funkelnden Details. Matisse und Rouault waren seine Schüler.
Gustave Moreau wurde 1826 in Paris geboren. Sein Vater war Architekt und gab dem Sohn eine gediegene klassische Bildung. Moreau studierte an der École des Beaux-Arts und wurde stark vom Maler Théodore Chassériau beeinflusst, der die Linien von Ingres mit den Farben von Delacroix verband. Von 1857 bis 1859 lebte er in Italien, wo er die Meister der Renaissance kopierte und sich mit dem jungen Edgar Degas anfreundete.
Der Durchbruch kam im Salon von 1864 mit „Ödipus und die Sphinx“, das sich heute im Metropolitan Museum in New York befindet. Das Bild zeigt die Sphinx, die sich in einer öden Felsschlucht an die Brust des Helden klammert. Moreau wurde bekannt für seine Bilder mythologischer und biblischer Gestalten, vor allem gefährlicher und verführerischer Frauen. Salome, die vor König Herodes tanzt, um den Kopf Johannes’ des Täufers zu erhalten, wurde zu einem seiner Lieblingsmotive. Sein Aquarell „Die Erscheinung“, in dem der blutende Kopf vor ihr in der Luft schwebt, befindet sich im Musée d’Orsay.
Moreaus Bilder sind voller Details. Flächen sind von Ornamenten, Juwelen und Architektur überzogen, die wie Goldschmiedearbeit glänzen. Er mischte dicke Farbschichten mit feinen Linien und zeichnete mitunter Muster direkt auf die Farbe. Seine Welt ist verträumt und mystisch, weit entfernt vom Alltag der Realisten. Er wurde zu einer Leitfigur des Symbolismus, und der Schriftsteller Joris-Karl Huysmans pries seine Salome im Roman „Gegen den Strich“.
Moreau war zurückgezogen und heiratete nie. Lange Zeit unterhielt er eine enge Beziehung zu Alexandrine Dureux. Ab 1891 war er Professor an der École des Beaux-Arts. Dort war er ein ungewöhnlich freisinniger Lehrer, der seine Schüler ermunterte, ihren eigenen Weg zu finden. Zu ihnen gehörten Henri Matisse und Georges Rouault.
Moreau starb 1898. Er vermachte sein Haus und Tausende von Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen dem französischen Staat. Das Musée Gustave Moreau in Paris wurde 1903 eröffnet, mit Rouault als erstem Konservator. Die Surrealisten, besonders André Breton, bewunderten später seine Traumwelt.