Bartolomé Esteban Murillo

Der sanfte Maler von Sevilla.
Murillo malte Madonnen und Straßenkinder mit weichem Licht und Wärme. Lange Zeit war er im Ausland der bekannteste Maler Spaniens.
Bartolomé Esteban Murillo wurde am 1. Januar 1618 in Sevilla getauft. Er war das jüngste von vierzehn Kindern und wurde mit etwa zehn Jahren Waise. Er wuchs bei einer älteren Schwester und deren Mann auf. Er ging bei dem Maler Juan del Castillo in die Lehre und begann mit kleineren, schlichten religiösen Bildern, von denen einige in die spanischen Kolonien in Amerika exportiert wurden.
Der Durchbruch kam 1645–46, als er eine Serie für das Franziskanerkloster in Sevilla malte. 1645 heiratete er Beatriz Cabrera. Sie bekamen viele Kinder, von denen mehrere jung starben, und Beatriz starb 1663. Murillo wurde bald der führende Maler Sevillas und übernahm Zurbaráns Platz bei den Klöstern. In den 1660er- und 1670er-Jahren malte er für das Hospital de la Caridad einen großen Zyklus über die Werke der Barmherzigkeit, von dem mehrere Gemälde noch immer dort hängen. 1660 gehörte er zu den Gründern einer Kunstakademie in Sevilla.
Murillo malte weich und warm, mit hellen Farben und diffusem Licht. Seine zahlreichen Bilder der Unbefleckten Empfängnis zeigen Maria schwebend zwischen Wolken und kleinen Engeln. Er malte auch Straßenkinder in Sevilla, wie „Der junge Bettler“ im Louvre und „Trauben- und Melonenesser“ in München. Sie sind arm und zerlumpt, werden aber mit Wärme und Humor dargestellt, und die Bilder waren bei ausländischen Sammlern beliebt. In „Die Heilige Familie mit dem Vögelchen“ im Prado spielt das Jesuskind mit einem Hund, und Josef ist ein fürsorglicher Vater.
Der Überlieferung zufolge stürzte er bei der Arbeit an einem Altarbild in Cádiz von einem Gerüst. Er starb 1682 in Sevilla.
Im 18. und 19. Jahrhundert war Murillo einer der berühmtesten Maler Europas, und viele Werke wurden aus Spanien ausgeführt, unter anderem von Napoleons Marschall Soult. Später galt er als zu süßlich und sentimental, und sein Ruf sank. Heute wird er wieder als einer der großen Meister des spanischen Goldenen Zeitalters angesehen.