Camille Pissarro

Die Vaterfigur des Impressionismus.
Pissarro war der Einzige, der an allen acht Impressionisten-Ausstellungen teilnahm. Er half Cézanne und Gauguin und unterrichtete sie.
Camille Pissarro wurde 1830 auf der Insel Saint Thomas in der Karibik geboren, die damals eine dänische Kolonie war. Seine Eltern waren jüdische Kaufleute. Er besuchte eine Schule in Frankreich, kehrte aber zurück, um im Geschäft der Familie zu arbeiten. Er wollte lieber malen und reiste 1852 mit dem dänischen Künstler Fritz Melbye nach Venezuela. 1855 zog er nach Paris, wo er von Camille Corot beraten wurde und an der freien Académie Suisse studierte. Dort lernte er Claude Monet und Paul Cézanne kennen.
Pissarro lebte mit Julie Vellay, die als Küchenmädchen bei seiner Mutter gearbeitet hatte. Sie heirateten 1871 und bekamen acht Kinder, von denen mehrere Söhne Künstler wurden. Die Familie war lange arm. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870–1871 floh sie nach London, wo er gemeinsam mit Monet Turner und Constable studierte. Als sie zurückkamen, hatten preußische Soldaten große Teile seiner Gemälde im Haus in Louveciennes zerstört.
Pissarro war einer der Begründer des Impressionismus und der Einzige, der an allen acht Impressionisten-Ausstellungen von 1874 bis 1886 teilnahm. Er war der Älteste der Gruppe und wirkte als Vaterfigur und Lehrer. Er malte vor allem die Landschaft um Pontoise und später Éragny: Felder, Obstbäume, Bauern und Dorfwege. Mitte der 1880er-Jahre versuchte er sich eine Zeit lang an der Punktetechnik von Georges Seurat.
Im Alter erkrankte er an einem Augenleiden, das es schwer machte, im Freien zu malen. Er malte dann aus Hotelfenstern in Paris, Rouen und Le Havre. So entstanden Serien von Boulevards, Brücken und Häfen bei unterschiedlichem Wetter und Licht, zum Beispiel die Bilder des Boulevard Montmartre von 1897. Politisch war er Anarchist und setzte sich für die Armen ein.
Pissarro starb 1903 in Paris. Er war ein großzügiger Lehrer für Cézanne wie für Gauguin. Cézanne nannte sich im Alter „Schüler Pissarros“. Seine Geduld und seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit hielten die oft zerstrittene Gruppe der Impressionisten zusammen.