Rafael

Der Meister der Harmonie.
Raffael verband Leonardos Weichheit mit Michelangelos Kraft und schuf klare, ausgewogene Kompositionen. Er starb mit nur 37 Jahren.
Raffael, italienisch Raffaello Sanzio, wurde 1483 in Urbino geboren. Sein Vater Giovanni Santi war Maler und Dichter am Hof des Herzogs, einem der kultiviertesten Italiens. Raffael verlor als Kind beide Eltern. Früh arbeitete er im Umkreis Peruginos, und seine ersten Werke ähneln denen Peruginos so sehr, dass sie bisweilen verwechselt wurden. Ein Beispiel ist „Die Vermählung Mariens“ von 1504, heute in der Brera in Mailand.
In den Jahren 1504–08 lebte er in Florenz. Dort studierte er Leonardo und Michelangelo und malte eine Reihe von Madonnen, wie die „Madonna mit dem Stieglitz“ in den Uffizien und die „Schöne Gärtnerin“ im Louvre. Er lernte von Leonardos weicher Modellierung und den pyramidenförmigen Kompositionen, machte sie aber heller und harmonischer.
1508 wurde er von Papst Julius II. nach Rom gerufen, um die Räume in den päpstlichen Gemächern im Vatikan auszumalen. Im ersten Raum malte er „Die Schule von Athen“, in der sich die Philosophen der Antike in einer gewaltigen Gewölbehalle versammeln, mit Platon und Aristoteles in der Mitte. Einigen der Philosophen gab er die Züge zeitgenössischer Künstler, und sich selbst hat er am Rand gemalt. Danach folgten zahlreiche Aufträge: die „Sixtinische Madonna“ in Dresden, das Porträt des Baldassare Castiglione im Louvre, Fresken in der Villa Farnesina und Kartons für gewirkte Tapisserien der Sixtinischen Kapelle. Nach Bramantes Tod 1514 wurde er auch Architekt des Petersdoms.
Raffael war für seine Freundlichkeit und seinen geselligen Sinn bekannt. Er leitete eine große Werkstatt mit vielen Gehilfen. Er war mit der Nichte eines Kardinals verlobt, heiratete aber nie. Er starb plötzlich am 6. April 1520 im Alter von 37 Jahren und wurde im Pantheon in Rom beigesetzt. Sein letztes großes Werk, „Die Verklärung Christi“, befindet sich in der Vatikanischen Pinakothek.
Mehrere hundert Jahre lang war Raffael das wichtigste Vorbild der Akademien, und seine Harmonie und Klarheit wurden zum Maßstab vollendeter Malerei. Mitte des 19. Jahrhunderts nannte sich eine Gruppe englischer Künstler Präraffaeliten, weil sie zur Kunst vor ihm zurückwollten. Auch das zeigt, wie zentral er war.