Odilon Redon

Symbolist des Traums und der Farbe.
Odilon Redon schuf zuerst schwarze Kohlezeichnungen und Lithografien mit merkwürdigen Wesen, später leuchtende Blumenbilder in Pastell.
Odilon Redon wurde 1840 in Bordeaux geboren. Er war ein kränkliches Kind und verbrachte große Teile seiner Kindheit auf dem Landgut der Familie im Médoc, allein mit der Natur und seinen Fantasien. Er versuchte, Architekt zu werden, wurde aber zur Ausbildung nicht zugelassen. Kurze Zeit studierte er Malerei in Paris. Wichtiger wurde die Begegnung mit dem Grafiker Rodolphe Bresdin, der ihn in die Radierung einführte, und mit einem Botaniker, der ihm die Welt des Mikroskops zeigte.
Etwa zwanzig Jahre lang arbeitete Redon fast nur in Schwarz und Weiß. Diese Werke nannte er seine „Schwarzen“. Es waren Kohlezeichnungen und Lithografien mit traumartigen und beängstigenden Motiven: ballonartig schwebende Augen, Spinnen mit Menschengesichtern, abgeschlagene Köpfe und merkwürdige Pflanzen. 1879 veröffentlichte er das Album „Im Traum“. Außerdem schuf er Lithografien zu Edgar Allan Poe und Gustave Flaubert. Huysmans erwähnte ihn 1884 in dem Roman „Gegen den Strich“, und er wurde unter den Symbolisten bekannt.
1880 heiratete er Camille Falte. Ihr erster Sohn starb als Säugling, 1889 wurde ein zweiter Sohn geboren. Um 1890 begann Redon, in Farbe zu arbeiten, und seine Kunst veränderte sich vollständig. Er schuf Pastelle und Ölgemälde in leuchtenden, fast selbstleuchtenden Farben: Blumen in Vasen, Schmetterlinge, Buddha, Ophelia unter Blumen und mythologische Gestalten. „Der Zyklop“, ein scheuer Riese, der eine schlafende Frau betrachtet, befindet sich im Kröller-Müller Museum in den Niederlanden.
Redon war ruhig und zurückgezogen, wurde aber von jüngeren Künstlern bewundert, besonders von der Gruppe der Nabis. Er erhielt größere dekorative Aufträge, unter anderem für eine Klosterbibliothek in Südfrankreich. 1913 nahm er an der großen Armory Show in New York teil. Er starb 1916 in Paris.
Redon zählt zu den bedeutendsten Künstlern des Symbolismus. Seine Traumwelt war ein wichtiges Vorbild für die Surrealisten, und seine farbintensiven Pastelle wurden von Matisse und anderen modernen Malern bewundert.