Tizian

Venedigs Meister der Farbe.
Tizian war über sechzig Jahre lang tätig und malte für Päpste, Kaiser und Könige. Die Venezianer bauten das Bild mit Farbe auf statt mit Zeichnung.
Tizian, italienisch Tiziano Vecellio, wurde in Pieve di Cadore in den Alpen nördlich von Venedig geboren. Das Geburtsjahr ist unsicher. Im Alter gab er selbst an, älter zu sein, als er wahrscheinlich war, und die meisten Forscher gehen heute davon aus, dass er um 1488–90 geboren wurde. Als Kind wurde er nach Venedig geschickt, wo er bei den Brüdern Gentile und Giovanni Bellini in die Lehre ging. Er arbeitete auch mit Giorgione zusammen, und ihre frühen Werke lassen sich mitunter schwer voneinander unterscheiden.
Der Durchbruch kam mit dem riesigen Altarbild „Mariä Himmelfahrt“ in der Frarikirche in Venedig, gemalt 1516–18. Maria wird in glühendem Licht zum Himmel emporgehoben, während sich die Apostel unten nach ihr strecken. Später malte er mythologische Bilder für Fürsten, wie „Bacchus und Ariadne“ in der National Gallery in London, und die „Venus von Urbino“ von 1538 in den Uffizien, eine ruhende nackte Frau, die bis zu Manet Vorbild für Künstler blieb.
Tizian wurde zum gefragtesten Porträtmaler Europas. Kaiser Karl V. erhob ihn 1533 in den Adelsstand, und das Reiterbildnis des Kaisers nach der Schlacht bei Mühlberg von 1548 befindet sich im Prado. Für Karls Sohn Philipp II. von Spanien malte er eine Reihe mythologischer Bilder, die er selbst „Poesien“ nannte. Er porträtierte auch Papst Paul III.
Tizian baute das Bild mehr mit Farbe als mit Zeichnung auf. Seine Farben sind warm und tief, und das Licht scheint von innen zu glühen. Im Alter wurden die Pinselstriche immer freier. Er trug die Farbe mit breiten Strichen und bisweilen mit den Fingern auf, und Bilder wie „Die Schindung des Marsyas“ und die späte „Pietà“ in den Gallerie dell’Accademia wirken fast modern. Er war mit Cecilia verheiratet, die 1530 starb, und hatte mehrere Kinder. Er starb 1576 in Venedig während einer Pestepidemie.
Seine Laufbahn dauerte über sechzig Jahre. Rubens, Velázquez, Rembrandt und später die Impressionisten studierten seine Malweise. Tizian zeigte, dass die Farbe und der Pinselstrich selbst den Ausdruck des Bildes tragen konnten.