Diego Velázquez

Das scharfe Auge des spanischen Hofes.
Velázquez war Hofmaler Philipps IV. in Madrid. Seine lockere, sichere Pinselführung beeindruckte die Impressionisten zweihundert Jahre später.
Diego Velázquez wurde am 6. Juni 1599 in Sevilla getauft. Er ging bei dem Maler und Theoretiker Francisco Pacheco in die Lehre und heiratete 1618 dessen Tochter Juana. Seine frühen Bilder sind sogenannte Bodegones, Küchenszenen mit Menschen und Gegenständen. „Die alte Frau beim Eierbraten“ in Edinburgh und „Der Wasserverkäufer von Sevilla“ in London zeigen bereits seinen scharfen Blick für Licht, Oberflächen und Materialien.
1623 zog er nach Madrid und wurde Hofmaler des jungen Königs Philipp IV. Dort blieb er für den Rest seines Lebens. Als Rubens 1628 Madrid besuchte, ermunterte er Velázquez zu einer Reise nach Italien, die er 1629–31 unternahm. Auf einer zweiten Reise malte er 1649–51 in Rom Papst Innozenz X., ein Meisterwerk der Porträtkunst, das sich noch immer in der Galleria Doria Pamphilj befindet. Er malte auch die „Venus vor dem Spiegel“, heute in London, seine einzige erhaltene Darstellung eines weiblichen Aktes.
Am Hof malte er die königliche Familie, aber auch die Hofnarren und Zwerge, mit derselben Würde wie die Fürsten. „Die Übergabe von Breda“ von 1635 im Prado zeigt einen Kriegssieg, in dem der Sieger den Besiegten tröstet. Sein berühmtestes Werk ist „Las Meninas“ von 1656, ebenfalls im Prado. Die kleine Prinzessin Margarita steht mit ihren Hofdamen in der Mitte, und Velázquez selbst steht an einer großen Leinwand. In einem Spiegel im Hintergrund sind der König und die Königin zu sehen. Niemand weiß sicher, was er malt, und das Bild wird seit über dreihundert Jahren diskutiert.
Velázquez malte mit lockeren, sicheren Pinselstrichen, die aus der Nähe wie Flecken aussehen, aus der Entfernung aber zu Seide, Spitze und Haut werden. Er stieg auch im Rang am Hof auf und wurde für die Ausstattung der Schlösser verantwortlich. 1659 wurde er in den vornehmen Santiagoorden aufgenommen, und das Kreuz auf seiner Brust in „Las Meninas“ wurde erst nachträglich hinzugefügt. Er starb 1660 in Madrid.
Seine Werke blieben lange in den königlichen Sammlungen und waren außerhalb Spaniens unbekannt. Manet nannte ihn „den Maler der Maler“, als er sie in den 1860er-Jahren sah, und Picasso malte 1957 58 Variationen über „Las Meninas“.