Wu Daozi

Der legendäre Wandmaler der Tang-Dynastie.

Wu Daozi schuf buddhistische und daoistische Wandmalereien in Chang'an. Kein gesichertes Werk ist erhalten, doch der Legende nach trat er in sein eigenes Bild ein und verschwand.

Wu Daozi wurde um 680 in Yangdi in der heutigen Provinz Henan geboren und starb nach den 750er-Jahren. Er stammte aus einer armen Familie und wurde früh zum Waisen. Er soll zunächst Kalligrafie studiert haben, bevor er zur Malerei wechselte. Sein Talent wurde entdeckt, und Kaiser Xuanzong rief ihn an den Hof in der Hauptstadt Chang'an, dem heutigen Xi'an.

Wu Daozi ist vor allem für Wandmalereien in buddhistischen und daoistischen Tempeln bekannt. Den Quellen zufolge bemalte er Hunderte von Wänden in Chang'an und Luoyang mit himmlischen Wesen, Höllen und Göttern. Seine Darstellungen der Hölle sollen so furchterregend gewesen sein, dass Schlachter und Fischer ihren Beruf wechselten, nachdem sie sie gesehen hatten. Nichts davon ist erhalten. Die Tempel wurden zerstört, unter anderem bei der Verfolgung des Buddhismus in den 840er-Jahren.

Sein Stil wird als kraftvoll und schnell beschrieben. Die Linien variieren in der Stärke, als schwölle der Pinsel an und werde wieder schmal, und die Kleider scheinen im Wind zu flattern. Die Wendung „Wus Bänder flattern im Wind“ wurde zum feststehenden Begriff. Damit unterscheidet er sich von Gu Kaizhis gleichmäßigen, dünnen Linien. Einige Werke werden ihm aufgrund späterer Kopien und Steingravuren zugeschrieben, doch keines lässt sich sicher mit ihm verbinden.

Es gibt viele Legenden über ihn. Eine besagt, er habe an einem Tag eine ganze Landschaft entlang des Flusses Jialing gemalt. Eine andere erzählt, er habe eine Landschaft auf eine Palastwand gemalt, in die Hände geklatscht, sei durch eine Höhle im Bild hineingegangen und verschwunden. Das sind Legenden, doch sie zeigen, wie hoch er geschätzt wurde.

Wu Daozi wurde „Heiliger der Maler“ genannt und diente in China viele Jahrhunderte lang als Vorbild für die Figurenmalerei und die religiöse Kunst. Seine Art, eine lebendige, ausdrucksstarke Linie einzusetzen, beeinflusste auch die Kunst in Japan und Korea.