Die Dame mit dem Schleier

Roslins Frau, die Pastellmalerin Marie-Suzanne Giroust, in einem schwarzen Seidenschleier mit einem Fächer. Roslin war in Paris tätig und einer der gefragtesten Porträtmaler Europas.
Die Stoffe: Der schwarze, halbtransparente Schleier auf der Haut ist ein Meisterstück in Stoff und Licht.
Alexander Roslin wurde 1718 in Malmö geboren. Nachdem er in Schweden und an mehreren deutschen und italienischen Höfen gearbeitet hatte, zog er 1752 nach Paris. Dort wurde er bald Mitglied der französischen Kunstakademie und einer der gefragtesten Porträtmaler der Stadt. Er malte Mitglieder von Königshäusern, Aristokraten und reiche Bürger aus ganz Europa, darunter König Gustav III. Er war bekannt für seine Genauigkeit und seine Fähigkeit, den Modellen eine ruhige, würdevolle Haltung zu verleihen.
1759 heiratete Roslin Marie-Suzanne Giroust. Sie war selbst Künstlerin und arbeitete mit Pastell. 1770 wurde sie Mitglied der französischen Kunstakademie, eine für eine Frau damals ungewöhnliche Ehre. Sie starb bereits 1772. „Die Dame mit dem Schleier“ wurde 1768 gemalt und zeigt sie. Das Paar bekam mehrere Kinder, und die Familie lebte in Paris.
Die Frau blickt den Betrachter mit einem leichten, verspielten Lächeln an. Sie trägt einen schwarzen Schleier aus dünner Seide über Kopf und Schultern. Der Schleier wurde auf eine Weise getragen, die „à la bolonaise“ genannt wurde, nach der Stadt Bologna. In der Hand hält sie einen Fächer, mit dem sie ihr Gesicht teilweise verbirgt. Der Hintergrund ist dunkel und schlicht.
Roslin war berühmt für seine Fähigkeit, Stoffe zu malen. Hier steht der schwarze, halbtransparente Schleier im Mittelpunkt. Er lässt den hellen Hautton durchscheinen und bildet weiche, helle Abstufungen, wo er am Gesicht anliegt. Seide, Spitze und Haut sind mit großer Präzision wiedergegeben. Der schwarze Stoff erfordert große Geschicklichkeit, denn kleine Tonunterschiede müssen zugleich Falten, Glanz und Transparenz zeigen.
Die Farbpalette ist begrenzt: Schwarz, Weiß und Hauttöne, mit einigen kleinen Akzenten. Dadurch treten Gesicht und Hände stark hervor. Roslin verwendete dünne Schichten Ölfarbe und sehr feine Übergänge. Die Oberfläche ist glatt und ruhig, fast ohne sichtbare Pinselstriche.
Das Bild ist ein Porträt, aber auch ein Spiel mit Verkleidung und Blicken. Schleier und Fächer sind zugleich Mittel, sich zu verbergen und sich zu zeigen. Dass das Modell die Frau des Künstlers und selbst Malerin war, verleiht dem Bild eine zusätzliche Dimension. Es zeigt eine Frau, die zugleich elegant und selbstständig ist. Ihr Blick ist direkt und wach, und das Lächeln deutet ein Einverständnis mit dem Betrachter an.
Roslin blieb den Rest seines Lebens in Paris und starb dort 1793. „Die Dame mit dem Schleier“ gehört heute dem Nationalmuseum in Stockholm und ist eines der bekanntesten und beliebtesten Gemälde des Museums. Es wird oft auf Plakaten und in Büchern über die Kunst des 18. Jahrhunderts abgebildet und ist zu einem Symbol für die schwedische Präsenz in der europäischen Kunstwelt der Rokokozeit geworden.