Der Tanz

Der Tanz, Henri Matisse
Henri Matisse, Public domain

Fünf rote Figuren tanzen im Kreis vor Blau und Grün. Nur drei Farben, große Flächen. Matisse wollte, dass die Farbe unmittelbar wirkt, fast wie Musik.

Der Ring ist dort unterbrochen, wo zwei Hände einander fast erreichen – dort liegt die Spannung.

Henri Matisse malte „Der Tanz“ 1909–1910 im Auftrag des russischen Sammlers Sergei Schtschukin. Schtschukin besaß in seinem Palais in Moskau eine der größten Sammlungen französischer moderner Kunst der Welt. Er bestellte zwei große Gemälde für das Treppenhaus: „Der Tanz“ und „Die Musik“. Matisse hatte zuvor bereits eine erste Fassung des „Tanzes“ gemalt, die sich heute im Museum of Modern Art in New York befindet.

Fünf nackte Gestalten tanzen im Kreis auf einem grünen Hügel vor tiefblauem Himmel. Die Körper sind rot und mit wenigen kräftigen Konturen gezeichnet. Die Gestalten neigen sich, strecken sich und schwingen, und der Ring scheint zu rotieren. Ganz vorn ist der Ring unterbrochen. Zwei Hände erreichen einander fast, berühren sich aber nicht.

Die Komposition ist sehr einfach. Das Bild besteht aus drei großen Farbfeldern und fünf Figuren. Es gibt fast keine Tiefenstaffelung, und die Figuren sind groß im Verhältnis zur Fläche. Die Bewegung entsteht durch die gebogenen Linien der Körper und dadurch, dass der Ring fast um die ganze Bildfläche läuft.

Die Farbe ist die Hauptsache. Matisse verwendete ein kräftiges Rot für die Körper, ein intensives Grün für den Boden und ein tiefes Blau für den Himmel. Er strebte danach, dass die Farben unmittelbar auf den Betrachter wirken. Die Farben sind in großen Flächen ohne Schattierung aufgetragen. Matisse war eine führende Gestalt des Fauvismus, der Richtung, die einige Jahre zuvor mit ihren starken, ungekünstelten Farben Aufsehen erregt hatte.

Das Gemälde ist in Öl auf Leinwand ausgeführt und fast vier Meter breit. Das Format war auf das Treppenhaus in Schtschukins Haus abgestimmt. Das Motiv tanzender Figuren im Kreis fand sich bereits in Matisses früherem Gemälde „Lebensfreude“. Der Tanz wurde sowohl mit Volkstänzen als auch mit antiken Darstellungen des Tanzes in Verbindung gebracht. Der Unterschied zur ersten Fassung ist deutlich. Dort sind die Körper hellrosa und die Bewegung ruhiger, während sie in der Fassung der Eremitage intensiv rot und der Tanz wilder ist.

Als „Der Tanz“ und „Die Musik“ 1910 im Pariser Herbstsalon gezeigt wurden, stießen sie auf viel Kritik. Schtschukin zögerte eine Zeit lang, unter anderem wegen der nackten Figuren, nahm sie aber schließlich an. Nach der Russischen Revolution wurde seine Sammlung verstaatlicht. Später wurde sie auf Museen in Moskau und Leningrad aufgeteilt, und „Der Tanz“ kam in die Eremitage im heutigen Sankt Petersburg. Schtschukin verließ Russland nach der Revolution und starb 1936 in Paris. Das Schwesterwerk „Die Musik“, in dem fünf rote Figuren spielen und singen, befindet sich ebenfalls in der Eremitage.

„Der Tanz“ gilt als eines der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts. Es zeigt, wie Vereinfachung und reine Farbe ein starkes Erlebnis von Bewegung und Lebensfreude vermitteln können. Das Werk hat viele spätere Künstler und Designer beeinflusst.