Haniwa-Krieger

Ein Krieger in Rüstung mit Schwert, geschaffen, um auf einem Grabhügel zu stehen. Haniwa schützten den Toten und zeigten seine Macht.
Die einfachen Löcher für Augen und Mund verleihen der Figur einen fast modernen Ausdruck.
Haniwa sind Figuren aus gebranntem Ton, die in der Kofun-Zeit in Japan, etwa vom 3. bis zum 6. Jahrhundert, auf und rund um die Grabhügel aufgestellt wurden. Das Wort bedeutet in etwa „Tonringe“. Die ersten Haniwa waren einfache Zylinder, die in Reihen um die Hügel gestellt wurden. Mit der Zeit begann man, Figuren zu fertigen, die Häuser, Tiere, Boote und Menschen darstellten.
Der hier gezeigte Krieger stammt aus dem 6. Jahrhundert und wurde in der Präfektur Gunma nordwestlich von Tokio gefunden. Er ist etwa 130 Zentimeter hoch und gehört zum Nationalmuseum Tokio, wo er als Nationalschatz eingestuft ist. Er trägt einen Helm mit Nackenschutz und eine Rüstung aus Metallplatten, die im Ton sorgfältig wiedergegeben ist. An der Hüfte hängt ein Schwert, die Unterarme sind geschützt. In der Hand hält er einen Bogen.
Die Gestalt steht aufrecht, der Körper ist symmetrisch und ruhig. Das Gesicht hat einfache, ausgeschnittene Löcher für Augen und Mund, die Nase ist als kleiner Grat geformt. Trotz der schlichten Form vermitteln die Details der Rüstung ein klares Bild davon, wie Krieger vor etwa 1 500 Jahren in Japan aussahen. Helm, Rüstung und Waffen entsprechen echten Rüstungen, die in Gräbern aus derselben Zeit gefunden wurden, die Figur gibt also tatsächliche Ausrüstung wieder.
Die Figur wurde aus Tonringen auf einem hohlen Unterbau aufgebaut, ähnlich wie Keramikgefäße. Der untere Teil ist ein Zylinder, den man in den Boden des Grabhügels stecken konnte. Die Details wurden geformt und ausgeschnitten, bevor der Ton gebrannt wurde. Untersuchungen haben Farbspuren gezeigt, die Figur war ursprünglich bemalt. Haniwa wurden in großen Mengen in spezialisierten Werkstätten hergestellt, und um einen einzigen großen Grabhügel konnten Tausende stehen.
Haniwa hatten wahrscheinlich mehrere Funktionen. Sie markierten die Grenze des Grabes, schützten den Toten und zeigten Macht und Gefolge des Verstorbenen. Eine alte japanische Chronik erzählt, Haniwa seien als Ersatz für Menschen eingeführt worden, die sonst mit einem Herrscher bestattet worden wären, doch die Erzählung gilt als Legende ohne historische Grundlage.
Die Kofun-Zeit erhielt ihren Namen von den großen Grabhügeln, den Kofun, die für die Elite errichtet wurden. Einige davon gehören zu den größten Grabmonumenten der Welt und haben von oben gesehen die Form eines Schlüssellochs. Die Haniwa-Figuren liefern wichtige Erkenntnisse über diese Zeit, da es nur wenige schriftliche Quellen gibt.
In der Neuzeit schätzt man Haniwa wegen ihrer schlichten, ausdrucksstarken Form. Künstler und Designer haben sich von ihnen inspirieren lassen, und sie sind zu beliebten Figuren der japanischen Populärkultur geworden. Der Krieger aus Gunma war der erste Haniwa, der als Nationalschatz eingestuft wurde, und gehört zu den bekanntesten.