Houmuwu-Ding

Houmuwu-Ding
Mlogic, CC BY-SA 3.0

Das schwerste erhaltene Bronzegefäß des alten China, geschaffen für Opfer an eine königliche Mutter. Die Inschrift gibt ihm seinen Namen.

Die Taotie-Masken im Relief: Finde zuerst die Augen, dann den Rest des Gesichts.

Das Houmuwu-Ding ist ein großes Bronzegefäß aus der Shang-Dynastie, der ersten chinesischen Dynastie, die durch zeitgenössische Schrift bekannt ist. Es entstand in der späteren Phase der Dynastie, als die Hauptstadt beim heutigen Anyang in der Provinz Henan lag. Das Gefäß wurde 1939 von Bauern in Anyang während der japanischen Besatzung gefunden. Es wurde versteckt, damit es nicht in falsche Hände geriet, und nach dem Krieg wieder ausgegraben.

Das Gefäß ist etwa 1,3 Meter hoch und wiegt rund 830 Kilogramm. Es ist das schwerste Bronzegefäß, das aus dem alten China erhalten ist. Es hat vier Beine und einen rechteckigen Körper, und oben sitzen zwei Henkel. Das Gefäß gehört dem Nationalmuseum Chinas in Peking.

Auf der Innenseite befindet sich eine Inschrift aus drei Schriftzeichen, die dem Gefäß seinen Namen gibt. Die Inschrift wurde unterschiedlich gelesen. Sie bedeutet in etwa „der Mutter Wu“. Wer die Mutter war, ist umstritten. Eine verbreitete Deutung besagt, es sei eine Königin gewesen, verheiratet mit einem Shang-König, die nach ihrem Tod von ihrem Sohn geehrt wurde. Auch die Lesung des ersten Zeichens ist umstritten, weshalb das Gefäß auch Simuwu-Ding genannt wird.

Die Oberfläche ist mit Reliefs bedeckt. Am charakteristischsten sind die Taotie-Masken, stilisierte Gesichter mit großen Augen, Hörnern und Mäulern. Die Masken sind symmetrisch und lassen sich als zwei Tiere im Profil sehen, die in der Mitte aufeinandertreffen. An den Außenseiten der Henkel sind zwei Tiere dargestellt, oft als Tiger gedeutet, mit einem Menschenkopf zwischen sich.

Das Gefäß wurde in einer Technik gegossen, die Teilformguss heißt. Man fertigte ein Modell, dann Lehmformen in mehreren Teilen, die um einen Kern gesetzt wurden, und goss die geschmolzene Bronze in den Zwischenraum. Die Henkel wurden wahrscheinlich getrennt gegossen. Für den Guss eines Gefäßes dieser Größe waren große Mengen Metall und eine gut organisierte Arbeit nötig.

Ding-Gefäße wurden bei Opfern für die Ahnen verwendet, wobei Fleisch gekocht oder dargebracht wurde. Sie waren auch Symbole für Macht und Legitimität. In der chinesischen Tradition wurden Ding-Gefäße zum Sinnbild der Staatsmacht selbst, und die Wendung, das Ding zu besitzen, bedeutete, das Recht zur Herrschaft zu haben. In demselben Gebiet in Anyang wurde 1976 das Grab von Fu Hao ausgegraben, einer Gemahlin von König Wu Ding, die Inschriften zufolge auch Feldzüge anführte. Dort fand man Hunderte Bronzeobjekte. Die Funde zeigen, dass Frauen in den höchsten Schichten der Shang-Elite große Macht haben konnten.

Das Houmuwu-Ding gilt als eines der wichtigsten Kulturgüter Chinas und darf nicht für Ausstellungen aus dem Land ausgeführt werden. Es ist ein Symbol für das technische und künstlerische Niveau der chinesischen Bronzezeit und zeigt, wie fortgeschritten die Shang-Gesellschaft war.