Mittsommertanz

Mittsommertanz, Anders Zorn
Anders Zorn, Public domain

Tanzende Paare in Mora in der hellen Mittsommernacht. Zorn war bekannt für seine schnelle, sichere Pinselführung und seine Bilder aus Dalarna.

Das Licht ist kühl und blau – es ist Nacht, aber nie dunkel. Zorn verwendete oft nur vier Farben.

Anders Zorn malte „Mittsommertanz“ 1897. Im Jahr zuvor hatte er Paris verlassen und war zurück nach Mora in Dalarna gezogen, wo er aufgewachsen war. Er war bereits international als Porträtmaler und Radierer bekannt, widmete sich nun aber zunehmend Motiven aus der Heimatregion: Volksleben, Mädchen aus Dalarna und badende Frauen. Das Gemälde gehört dem Nationalmuseum in Stockholm. Zorn wurde 1860 in Mora geboren und studierte an der Kunstakademie in Stockholm. In den 1880er- und 1890er-Jahren lebte er in London und Paris und reiste viel, unter anderem in die USA, wo er Porträts reicher Sammler und mehrerer Präsidenten malte. Er war außerdem einer der erfolgreichsten Radierer seiner Zeit.

Das Bild zeigt eine Mittsommernacht. Paare tanzen auf einer Grasfläche vor roten Blockhäusern, und im Hintergrund ist der Mittsommerbaum zu sehen. Im Vordergrund wirbelt ein Paar vorbei, und der Rock der Frau und der bewegte Körper sind in wenigen kräftigen Strichen erfasst. Die Menschen tragen Trachten und Alltagskleidung. Es ist Nacht, aber der Himmel ist noch hell.

Die Komposition ist voller Bewegung. Die Paare überlappen einander, und die vordersten Gestalten sind angeschnitten, fast wie in einer Fotografie. Der Blick wird von den Tanzenden im Vordergrund zum Mittsommerbaum und zu den Häusern gezogen. Zorn interessierte sich für Fotografie und nutzte mitunter eigene Fotos als Hilfe.

Das Licht ist die Hauptsache. Die Dämmerung der Mittsommernacht erzeugt ein kühles, blaugraues Licht, in dem die Farben gedämpft und die Konturen aufgeweicht werden. Dagegen stehen einige wärmere Akzente, etwa rote und weiße Details in der Kleidung. Zorn arbeitete oft mit einer sehr begrenzten Palette, bei der Weiß, Schwarz, Ocker und Rot genügen konnten, um die gesamte Tonskala zu erzeugen. Er malte gern im Freien, direkt vor dem Motiv. Das Licht der Mittsommernacht verändert sich ständig, und das verlangte, dass er schnell und entschlossen arbeitete.

Das Gemälde ist in Öl auf Leinwand mit schnellem, sicherem Pinsel ausgeführt. Die Pinselstriche sind deutlich zu sehen, und Details werden eher angedeutet als ausgezeichnet. Das erinnert an den Impressionismus, dem Zorn in Paris begegnet war, doch er behielt eine stärkere Zeichnung und realistischere Formen bei.

Das Werk wurde oft als Bild einer schwedischen Volkstradition gedeutet, und das hat dazu beigetragen, das Mittsommerfest zu einem nationalen Symbol zu machen. Um die Jahrhundertwende bestand ein starkes Interesse an bäuerlicher Kultur, und Zorn selbst sammelte in Mora alte Gebäude und Gegenstände. Zugleich ist das Bild keine dokumentarische Schilderung, sondern ein künstlerisches Arrangement aus Licht und Bewegung.

„Mittsommertanz“ ist eines von Zorns bekanntesten Gemälden und eines der beliebtesten des Nationalmuseums. Es wurde in hohen Auflagen reproduziert und erscheint oft, wenn das schwedische Mittsommerfest illustriert werden soll. Zorns Wohnhaus und Atelier in Mora sind heute Teil des Zornmuseums.