Poseidon

Der Meeresgott steht mitten im Brunnen auf dem Götaplatsen in Göteborg. Milles ist Schwedens bekanntester Bildhauer, und seine Werke stehen in Parks und auf Plätzen in aller Welt.

Der langgestreckte, stilisierte Körper gehört in die 1930er-Jahre – nicht in die Antike.

Carl Milles schuf den „Poseidon“ für den Götaplatsen in Göteborg, und die Statue wurde 1931 eingeweiht. Der Platz war im Zusammenhang mit der Jubiläumsausstellung 1923 angelegt worden, als Göteborg sein dreihundertjähriges Bestehen feierte. Das Göteborger Kunstmuseum wurde damals als Abschluss des Platzes errichtet, später kamen das Stadttheater und das Konzerthaus hinzu. Der Brunnen mit Poseidon wurde zum Mittelpunkt des Platzes.

Die Statue stellt den Meeresgott Poseidon aus der griechischen Mythologie dar. Er steht nackt und sehr langgestreckt auf einem hohen Sockel mitten in einem Brunnen. Die Figur ist etwa sieben Meter hoch. Rings um den Brunnen befinden sich Meereswesen aus Bronze, und das Wasser strömt um sie herum. Poseidon blickt über die Kungsportsavenyn, die Prachtstraße der Stadt, hinweg auf die Stadt und den Hafen.

Die Komposition ist darauf angelegt, aus der Ferne und von vielen Seiten betrachtet zu werden. Der schmale, aufrechte Körper bildet einen vertikalen Akzent vor dem breiten Kunstmuseumsgebäude dahinter. Aus der Nähe erkennt man die Details der Muskeln und des Gesichts, die stark stilisiert sind. Von unten gesehen vermittelt der lange Körper einen fast überirdischen Eindruck.

Die Statue ist in Bronze gegossen und hat eine dunkle Patina erhalten. Milles arbeitete mit Bronzegießereien zusammen und hatte eine große Werkstatt. Er erarbeitete die Figur zunächst in Ton oder Gips, anschließend wurde sie in Teilen gegossen. Der langgestreckte, vereinfachte Stil ist typisch für den Klassizismus und Art déco der 1920er- und 1930er-Jahre und unterscheidet sich deutlich von den Skulpturen der Antike.

Die Statue löste schon bei ihrer Aufstellung Debatten aus. Einer oft wiederholten Erzählung zufolge fanden manche den Gott allzu deutlich männlich, und Milles musste das Geschlecht verkleinern. Die Erzählung ist verbreitet, doch die Einzelheiten sind unsicher. Die Göteborger gaben ihm einen Spitznamen, und er wurde rasch zu einem Symbol der Stadt.

Milles war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Schwedens international bekanntester Bildhauer. Kurz nach der Einweihung des „Poseidon“ zog er in die USA, um an der Cranbrook Academy of Art in Michigan zu unterrichten. Dort schuf er viele Werke für den öffentlichen Raum. Sein Wohnhaus und Atelier auf Lidingö vor den Toren Stockholms, Millesgården, ist heute ein Museum mit vielen seiner Skulpturen. Milles wurde 1875 bei Uppsala geboren und arbeitete in jungen Jahren in Paris, wo er von Auguste Rodin beeinflusst wurde. Zu seinen weiteren bekannten Werken gehören der Orpheusbrunnen vor dem Konzerthaus in Stockholm und „Europa und der Stier“ in Halmstad.

Der „Poseidon“ ist zu einem der wichtigsten Symbole Göteborgs geworden. Die Statue ist ein selbstverständlicher Treffpunkt, und Studenten und Fußballfans versammeln sich gern dort. Sie erscheint oft auf Postkarten und in Bildern der Stadt. So ist ein antiker Gott in moderner Gestalt zu einem Teil des Alltags einer schwedischen Großstadt geworden.