Garnelen

Garnelen schwimmen auf leerem Papier, mit wenigen Pinselstrichen gemalt. Qi Baishi hielt lebende Garnelen, um sie zu studieren.

Die Durchsichtigkeit: hellere Tusche für den Körper, dunkle Striche für den Kopf.

Qi Baishi wurde 1864 in eine arme Bauernfamilie in der Provinz Hunan geboren und arbeitete zunächst als Tischler und Holzschnitzer. Er lernte das Malen, indem er Vorlagen kopierte, und wurde schließlich einer der bekanntesten chinesischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Um 1917 zog er nach Peking und lebte dort für den Rest seines Lebens. Er starb 1957, im Alter von über neunzig Jahren.

Garnelen waren eines von Qi Baishis Lieblingsmotiven, und er malte es viele Male. Das Bild zeigt einige Garnelen, die frei auf leerem Papier schwimmen. Es gibt kein Wasser und keine Umgebung. Dennoch begreift der Betrachter durch ihre Bewegungen und ihre Anordnung, dass sie sich im Wasser bewegen. Die Garnelen sind in verschiedenen Winkeln gemalt, einige einander zugewandt, andere in unterschiedliche Richtungen.

Die Komposition ist luftig. Die Garnelen sind so angeordnet, dass sie eine Bewegung über die Fläche bilden, und das leere Papier wird zum Wasser. Das Leere ist ebenso wichtig wie das Gemalte. Die Zahl der Garnelen und die Abstände zwischen ihnen erzeugen Rhythmus.

Qi Baishi malte mit schwarzer Tusche auf Papier. Der Körper wurde mit heller, verdünnter Tusche gemalt, sodass er durchsichtig wirkt. Kopf und Augen sind mit dunkler Tusche gemalt. Fühler und Beine sind dünne, schnelle Linien. Die Segmente des Körpers entstanden, indem der Pinsel in wenigen kurzen Zügen aufs Papier gedrückt wurde. Das erforderte eine sehr sichere Hand, denn einen Pinselstrich in Tusche kann man nicht korrigieren.

Er studierte lebende Garnelen, die er in einer Schale an seinem Schreibtisch hielt. Im Lauf der Jahre vereinfachte er seine Art, sie zu malen, und ließ alles Unnötige weg. Seine Garnelen aus späteren Jahren gelten oft als die besten. Der Stil heißt auf Chinesisch Xieyi, was in etwa „die Idee schreiben“ bedeutet, wobei man das Wesen des Motivs statt seines genauen Aussehens erfasst. Er meinte, ein gutes Bild solle irgendwo zwischen Ähnlichkeit und Unähnlichkeit liegen, also weder zu ähnlich noch zu unähnlich dem sein, was es darstellt.

Qi Baishi verband die traditionelle chinesische Literatenmalerei mit volkstümlichen Motiven wie Gemüse, Insekten, Fischen und Krabben. Er schuf Kunst, die zugleich kultiviert und leicht zugänglich war. Er war auch ein geschickter Kalligraf und Siegelschneider. Als er nach Peking kam, ermutigte ihn der Maler Chen Shizeng, seinen Stil zu erneuern, und er entwickelte daraufhin einen persönlicheren Ausdruck.

Heute ist Qi Baishi einer der bekanntesten Künstler Chinas, und seine Werke wurden bei Auktionen für sehr hohe Summen verkauft. Seine Garnelen sind zu einem Symbol der chinesischen Tuschmalerei geworden und erscheinen auf Briefmarken und in Lehrbüchern. Schon zu Lebzeiten erhielt er auch internationale Auszeichnungen.