Die Terrakottaarmee

Etwa 8 000 lebensgroße Soldaten, Pferde und Wagen wachen über das Grab von Qin Shihuangdi. Jedes Gesicht ist einzigartig.
Die Figuren waren ursprünglich in kräftigen Farben bemalt, die beim Ausgraben binnen Minuten abblätterten.
Im März 1974 gruben Bauern nahe der Stadt Xi’an in China einen Brunnen und stießen auf Bruchstücke von Tonfiguren. Es stellte sich heraus, dass sie Teil einer gewaltigen Armee aus gebranntem Ton waren, die zum Grab von Qin Shihuangdi gehörte, dem ersten Kaiser von China. Er einte das Land 221 v. Chr. und starb 210 v. Chr. Archäologen haben seither Teile von drei großen Gruben mit Figuren ausgegraben.
In den Gruben stehen Soldaten in Reihen, in Formationen, die an ein echtes Heer erinnern. Es gibt Fußsoldaten, Bogenschützen, Offiziere, Wagenlenker und Pferde vor Wagen. Die Figuren sind lebensgroß oder etwas größer. Man schätzt, dass es etwa 8 000 Soldaten gibt, doch nicht alle sind ausgegraben. Jedes Gesicht hat eigene Züge, und Frisuren, Kleidung und Rüstungen unterscheiden sich nach Rang und Funktion.
Die Figuren wurden in einer Art Fließbandsystem hergestellt. Körper, Arme und Köpfe wurden teilweise in Formen gefertigt und zusammengesetzt. Dann formten die Handwerker Details wie Gesichter, Haare und Kleidung von Hand. Auf vielen Figuren sind die Namen von Werkstätten oder Vorarbeitern eingeritzt. Die Figuren wurden in großen Öfen gebrannt und anschließend auf einer Lackgrundierung in kräftigen Farben bemalt.
Die Farben waren Rot, Grün, Blau, Violett und Weiß. Als die Figuren ausgegraben wurden und mit der Luft in Berührung kamen, trocknete der Lack, und die Farbe blätterte ab, oft binnen kurzer Zeit. Deshalb sind die meisten Figuren heute grau. Forscher arbeiten an neuen Methoden, um die Farben bei künftigen Ausgrabungen zu bewahren.
Die Soldaten trugen echte Waffen aus Bronze, etwa Schwerter, Speere und Armbrüste. Viele wurden von Plünderern mitgenommen oder zerstört, doch Tausende Waffen wurden gefunden. Die Gruben hatten Holzdächer, die mit Erde bedeckt waren. Teile der Anlage sind verbrannt, und eine verbreitete Erklärung ist, dass sie nach dem Sturz der Dynastie geplündert wurde, doch das ist nicht ganz sicher.
Die Figuren sollten den Kaiser im Jenseits schützen. Der Historiker Sima Qian beschrieb etwa hundert Jahre später die Grabkammer selbst mit Flüssen aus Quecksilber und Fallen gegen Grabräuber. Der Grabhügel ist bisher nicht geöffnet worden. Messungen haben erhöhte Quecksilberwerte im Boden gezeigt, was darauf hindeuten könnte, dass die Beschreibung einen wahren Kern hat. In der Nähe hat man außerdem Gruben mit Figuren von Beamten, Akrobaten und Musikanten sowie Vögeln aus Bronze gefunden. Das Grab sollte also einen ganzen Hofstaat nachbilden, nicht nur ein Heer.
Die Terrakottaarmee wurde 1987 Welterbe und ist zu einem der meistbesuchten Orte Chinas geworden. Teile von ihr wurden in Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt. Sie hat ein einzigartiges Bild der Militärorganisation der Qin-Dynastie vermittelt und davon, welche enormen Ressourcen der erste Kaiser mobilisieren konnte.