Stuhl Nr. 14

Sechs Holzteile, zehn Schrauben und zwei Muttern. Der Stuhl ließ sich in Einzelteilen verschicken, und über 50 Millionen Stück wurden gefertigt.
Keine Verbindung ist geschnitzt – alles ist gebogen.
Michael Thonet war ein deutscher Möbeltischler, geboren 1796 in Boppard am Rhein. Er experimentierte damit, Holz mit Dampf und Hitze zu biegen, und erhielt Patente auf seine Verfahren. 1842 zog er nach Wien, wo er seinen Betrieb gründete. Seine Söhne führten später das Unternehmen Gebrüder Thonet. Der Stuhl Nr. 14 kam 1859 auf den Markt und wurde das erfolgreichste Produkt des Unternehmens. Vor Thonet wurden Stühle oft aus vielen geschnitzten und verleimten Teilen gefertigt, was geschickte Tischler und viel Arbeitszeit erforderte.
Der Stuhl besteht aus sechs Teilen gebogenem Buchenholz: einem Rückenteil, das in die Hinterbeine übergeht, zwei Vorderbeinen, einem Sitzring, einem inneren Rückenbogen und einem Ring, der die Beine zusammenhält. Sie werden mit zehn Schrauben und zwei Muttern zusammengesetzt. Der Sitz war oft aus Rohrgeflecht. Es gibt keine geschnitzten Details und keine verleimten Verbindungen, die die Konstruktion tragen.
Die Form ist leicht und elegant. Die geschwungene Linie der Rückenlehne läuft in die Hinterbeine hinab. Die Beine sind leicht nach außen gestellt, um Stabilität zu geben. Der Stuhl wirkt einfach, ist aber sorgfältig abgestimmt, um bequem und haltbar zu sein. Außerdem war er billig und leicht zu verschieben.
Beim Biegen wurde das Holz zunächst mit Dampf erhitzt, bis es weich wurde. Dann wurde es um Metallformen gebogen und in der Form getrocknet. Thonet entwickelte eine Technik, bei der eine Metallschiene entlang des Holzes befestigt wurde, damit es nicht riss. So ließ sich massives Holz in großen Kurven biegen.
Der Stuhl gehörte zu den ersten Möbeln, die industriell in großem Maßstab hergestellt wurden. Er ließ sich in Einzelteilen verschicken, und viele Stühle fanden in einer kleinen Kiste Platz. Er wurde vor Ort zusammengesetzt, oft vom Käufer selbst. So konnte er in die ganze Welt exportiert werden, in Cafés, Restaurants und Wohnungen.
Der Stuhl hatte großen Erfolg und wurde auf Weltausstellungen ausgezeichnet. Er wurde zum Sinnbild der Wiener Kaffeehäuser. Die moderne Architektur nahm ihn auf, und der Architekt Le Corbusier verwendete Thonet-Stühle in seinen Bauten und lobte ihre Schlichtheit. Der Stuhl zeigte, dass sich Massenproduktion mit guter Gestaltung verbinden ließ. Als Thonets Patente in den 1860er-Jahren ausliefen, begannen viele andere Firmen, ähnliche Stühle herzustellen, und Bugholzmöbel wurden in ganz Europa üblich. Der Stuhl wird oft Kaffeehausstuhl oder Wiener Stuhl genannt.
Bis 1930 waren über 50 Millionen Exemplare gefertigt worden, und der Stuhl wird noch immer hergestellt. Er gilt als eines der erfolgreichsten Möbelstücke der Geschichte. Er befindet sich in den Sammlungen vieler Designmuseen, darunter das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Er hat viele spätere Designer inspiriert.