Crystal Palace

Crystal Palace, Hyde Park, London (nach Sydenham versetzt, 1936 abgebrannt)
Philip Henry Delamotte (1821–1889), Public domain

Die Halle der Weltausstellung von 1851 wurde in nur wenigen Monaten aus Eisen und Glas errichtet. Sie war über 560 Meter lang und aus vorgefertigten Teilen zusammengesetzt. Das Gebäude zeigte, dass die Materialien der Industrie einen völlig neuen Raumtyp schaffen konnten, hell und endlos.

Für die Weltausstellung in London 1851 wurde ein Wettbewerb für eine Ausstellungshalle ausgeschrieben, doch keiner der Vorschläge ließ sich rechtzeitig verwirklichen. Joseph Paxton, Gärtner des Herzogs von Devonshire, hatte in Chatsworth große Gewächshäuser gebaut und skizzierte auf einem Löschblatt einen Entwurf in Eisen und Glas. Er wurde angenommen, und das Gebäude entstand in wenigen Monaten im Hyde Park. Die Teile wurden in Fabriken hergestellt und vor Ort montiert. Die Zeitschrift Punch gab ihm den Namen „The Crystal Palace“.

Das Gebäude war etwa 563 Meter lang und bis zu 39 Meter hoch. Es beruhte auf einem Modulsystem aus gusseisernen Stützen und Trägern und etwa 300 000 gleich großen Glasscheiben. Das Querschiff hatte ein gewölbtes Dach und war so hoch, dass die großen Ulmen des Parks in der Halle stehen bleiben konnten. Paxton ließ die Dachrinnen als tragende Elemente dienen und verwendete ein Sägezahndach, das er zuvor in den Gewächshäusern erprobt hatte. Alles ließ sich abbauen und versetzen, und die Halle gilt als eines der ersten großen Fertigbauten.

Nach der Ausstellung wurde das Gebäude abgebaut und 1854 in Sydenham im Süden Londons noch größer wieder aufgebaut. Dort diente es als Vergnügungs- und Ausstellungspalast, bis es 1936 bei einem Brand zerstört wurde. Der Crystal Palace rief sowohl Bewunderung als auch Kritik hervor. Viele sahen in ihm eher ein Ingenieurwerk als Architektur, doch er wies den Weg für Bahnhöfe, Kaufhäuser und Ausstellungshallen und gilt als Vorläufer der gläsernen Architektur der Moderne.